Full text : Ferdinand Lassalle

rufe,  beschuldigt  mich  der  Staatsanwalt,  die  Arbeiter
zur  Klassenherrschaft  über  die  besitzenden  Klassen  aufgefordert ­
  zu  haben.
Ich  stehe  jetzt  am  Schlüsse,  meine  Herren.  Umsonst
frage  ich  mich,  ob  es  möglich  war,  sich  einen  Erfolg  von
dieser  Anklage  bei  Ihnen,  meine  Herren  Präsident  und
Räte,  zu  versprechen.  Aber  vielleicht  lag  eine  andre
Berechnung  zugrunde.  Der  politische  Kampf  zwischen
der  Bourgeoisie  und  der  Regierung  hat  eine  gewisse
matte  Lebhaftigkeit  angenommen.  Vielleicht  sagte  man
sich,  daß  unter  diesen  Umständen  die  Anklage  auf  Anreizung ­
  der  nichtbesitzendcn  Klassen  zum  Haß  und  zur  Verachtung, ­
  gegen  die  Besitzenden  als  ein  treffliches  Ableitungsmittel ­
  dienen  könne;  vielleicht  hoffte  man,  daß  eine
solche  Anklage,  wenn  auch  abgewiesen  von  Ihnen  —  Sie
kennen  den  alten  Grundsatz:  „calumniare  audacter,
semper  aliquid  liaeret“  (verleumde  kühn,  es  bleibt  doch
stets  was  hängen)  —,  immer  noch  wirken  würde  wie  ein
nasses  Handtuch  um  das  in  leiser  Röte  erglühende  Gesicht ­
  unsrer  Bourgeoisie  geworfen,  und  ich  sollte  der
hierfür  in  die  Wüste  gestoßne  Sühnbock  sein!  Aber
auch  diese  Absicht,  meine  Herren,  wird  nicht  erreicht
werden.
Sie  wird  zuschanden  werden  vor  der  einfachen  Lektüre
jener  Broschüre,  zu  der  ich  die  Bourgeoisie  vor  allem
auffordere.  Sie  wird  zuschanden  werden  vor  der  Macht
meiner  Stimme,  und  gerade  deshalb  habe  ich  auch  das
Tatsächliche  in  meinen  Vertcidigungsmitteln  so  eingehend ­
  entwickeln  müssen.  Bourgeoisie  und  Arbeiter
sind  wir  die  Glieder  eines  Volkes  und  ganz  einig
gegen  unsere  Unterdrücker!  —  Ich  schließe.  Ein
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