Full text: Ferdinand Lassalle

U 
nach den höchsten Kronen der wissenschaftlichen Arbeit, 
der politischen Macht, der sittlichen Größe langte, gab 
es nur ein Betäubungsnüttel: Arbeit! Was für flam 
mende Worte hat er dem faul gewordenen Herwegh 
zugerufen: „Das beste Mittel, das der Mann auf eine 
Wunde, die ihm geschlagen, legen kann, ist: fieberhafte, 
rasende, rasende fieberhafte Tätigkeit, mit all jener 
Unterdrückung von Empfindung, die solche Tätigkeit 
von selbst nach sich zieht. Ich hab's oft ausprobiert und 
kann Ihnen sagen: probatum est! Und sich nicht Zeit 
gönnen, zu empfinden. Nur vorwärts, nur vorwärts, 
und gearbeitet mit fliegender, zitternder Hast, wie unter 
dem Stock, wie unter der Fronpeitsche, wie unter dem 
Stachel! O, wie das hilft! Das Wunde ist vernarbt 
während der Frone, die man sich auferlegt; nicht nur 
der Schmerz ist gemildert, sondern das ganze Stück 
Gefühlsfähigkcit, in dem er haftete, ist mitverknorpelt 
— taut mieux, eine Unempfindlichkeit mehr, eine Blöße 
weniger, und vorwärts, nur vorwärts auf dieser rasenden 
sinnlosen Jagd, die unser Leben vorstellt." Diese Worte, 
die den Lassalleschen Rhythmus unverhüllt wiedergeben, 
sind im Oktober 1861 geschrieben. 
Drei Jahre später war Lassalle tot. Es ist durchaus 
falsch, das Ende Lassalles, weil es im Duell kam, als 
ein blödes von außen angeflogenes anzusehen. Die Ge- 
hetztheit, die schon der oben zitierte Brief an Herwegh 
bewies, ist in den letzten Jahren nicht von ihm gewichen. 
Sie trieb ihn — gegenüber der Gelassenheit Bismarcks, 
der unzweifelhaft einen starken Eindruck von ihm hatte 
— in eine schiefe Situation. Ohne diese innere Ge- 
peitschtheit wäre Lassalle auch durch die rothaarige
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.