Full text: Ferdinand Lassalle

Helene von Doenniges, die ihre angeborenen Talente in 
einem abenteuerlichen Leben deutlich ausbreitete, nicht 
in den Tod zu treiben gewesen. Sein lechzender Durst 
nach der Macht war schon unterbrochen durch ein nicht 
abzuweisendes Gefühl der Übersättigung, der Über 
müdung. Es sind durchaus wahre Worte, die er einige 
Tage vor seinem Tode an die Gräfin Hatzfeld schrieb: 
„Ich wünsche nichts sehnlicher, als die ganze Politik los 
zuwerden .. Ich bin der Politik müde und satt... 
Ohne höchste Macht läßt sich nichts machen, zum Kinder 
spiel aber bin ich zu alt und zu groß." 
Er stand in einer Sackgasse. Auf dem Wege nach rechts 
war die große, täglich wachsende Figur Bismarcks auf 
gepflanzt, der Weg nach links führte ins Allzuweite, Un 
begrenzte, in der Ferne stand lhier die wachsende Sil 
houette von Karl Marx auf dem Himmel. Lassalle aber, 
von Grund aus Politiker, verzehrte sich nach Gegen- 
wartöwirkung. Wo aber gab es damals für Lassalle in 
Deutschland eine Gegenwart? 
Bestände denn heute für einen Lassalle eine Wir 
kungsmöglichkeit ? 
Die deutsche Demokratie ist den politischen Mittel 
mäßigkeiten geneigter als einem Ferdinand Lassalle. 
Stefan Großmann
	        
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