Helene von Doenniges, die ihre angeborenen Talente in
einem abenteuerlichen Leben deutlich ausbreitete, nicht
in den Tod zu treiben gewesen. Sein lechzender Durst
nach der Macht war schon unterbrochen durch ein nicht
abzuweisendes Gefühl der Übersättigung, der Über
müdung. Es sind durchaus wahre Worte, die er einige
Tage vor seinem Tode an die Gräfin Hatzfeld schrieb:
„Ich wünsche nichts sehnlicher, als die ganze Politik los
zuwerden .. Ich bin der Politik müde und satt...
Ohne höchste Macht läßt sich nichts machen, zum Kinder
spiel aber bin ich zu alt und zu groß."
Er stand in einer Sackgasse. Auf dem Wege nach rechts
war die große, täglich wachsende Figur Bismarcks auf
gepflanzt, der Weg nach links führte ins Allzuweite, Un
begrenzte, in der Ferne stand lhier die wachsende Sil
houette von Karl Marx auf dem Himmel. Lassalle aber,
von Grund aus Politiker, verzehrte sich nach Gegen-
wartöwirkung. Wo aber gab es damals für Lassalle in
Deutschland eine Gegenwart?
Bestände denn heute für einen Lassalle eine Wir
kungsmöglichkeit ?
Die deutsche Demokratie ist den politischen Mittel
mäßigkeiten geneigter als einem Ferdinand Lassalle.
Stefan Großmann