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Jetzt, Sophie, erwägen Sie dies wohl, wenn Sie Ihr
Schicksal mit dem weinigen vereinigen, so wird auch
Ihre Existenz zur Zielscheibe des Hasses und der Ver
leumdung werden. Ich fürchte, daß Ihr Verstand, der
Verstand eines jungen Mädchens, zu schnell über diese
Fragen hinweggehen wird. Wissen Sie, was der un
aufhörliche Haß einer feindlichen Menge bedeutet? Ja,
Sie wissen es durch den Verstand und durch die Phan
tasie; aber Sie kennen es noch nicht aus der Erfahrung
schrecklicher Erinnerungen! Denken Sie, daß beim ge
ringsten Aufall, bei jedem unbedeutenden Ereignis es
möglich sein könnte, daß eine Masse von Feinden sich
dessen bemächtigt, es vergrößert, cs unwürdig entstellt,
dasselbe als Mittel gegen Sie oder gegen mich benutzt,
lügenhaft verzerrt, was Sie gesagt, getan, gedacht haben.
Ich selbst gestehe Ihnen, obgleich ich, wie schon gesagt,
immer mit der Verachtung auf den Lippen und mit der
Waffe in der Hand vorwärtsgeschritten bin, obschon ich
immer die Verleumdung niedergeschlagen und besiegt
habe, daß sie es doch war, die mir die einzigen seltenen
Stunden wahren Leidens im Leben, deren ich mich er
innere, gebracht hat, wie es weder Gefängnis noch Ge
fahren mir je zufügen könnten.
Und wenn auch ich, ein rauher Krieger, eine für den
Kampf eigens organisierte Natur, stark durch mein Be
wußtsein, nicht unterliegen und schließlich alles siegreich
durchführen könnte, würden Sie, im Falle der Not,
alles das ertragen können? Sie, ein Samtblümlein,
nicht für den Kanipf, sondern für ein ungetrübtes Glück
und für die süßesten Eindrücke geschaffen! Bedenken
Sie wohl, Sophie, wenn ich nur ein einziges Mal Sie