Full text: Ferdinand Lassalle

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leiden sähe, würde ich um so Schrecklicheres aus 
stehen ! 
O, glauben Sie mir Sophie, es gibt einsame Ge 
schöpfe, denen kein glückliches Wesen sich nähern darf! 
Lesen Sie mein Trauerspiel. Alles, was ich Ihnen hier 
sagen könnte, habe ich Hutten aussprechen lassen. Auch 
er hatte alle Verleumdungen, alle Arten von Haß, jede 
Feindseligkeit ertragen. Ich habe aus ihm den Spiegel 
niemer Seele gemacht, und ich konnte dies, da sein Schick 
sal und das meinige einander vollständig gleich und von 
überraschender Ähnlichkeit sind. Nur die Nachwelt ist 
gerecht gegen Männer wie er. Deshalb ist man gezwungen, 
sich ein trauriges Glück durch Entsagung auf jedes wahre 
und wirkliche Glück zu bereiten. Lesen Sie, was Hutten 
zu Maria sagte. Fast das gleiche, was ich Ihnen eben 
gesagt habe, wenn auch in anderen Worten, und dies 
wird Ihnen alles noch besser verständlich machen. Das 
sind keine „deutschen Hirngespinste", wie Sie eines 
Abends beinerkten: es ist eine traurige, sehr traurige 
Notwendigkeit für solche einsam stehenden Wesen, auch 
allein zu bleiben, weil sie sonst noch denen Kummer be 
reiten, die sie lieben, welche aber keine so mächtige, 
stählerne Organisation haben wie sie! 
Sie werden mir aber vielleicht sagen: „Was kümmert's 
mich, daß die eine Hälfte der Menschheit Sie haßt, wenn 
es eine Hälfte gibt, die nach Ihren eigenen Worten Sie 
hochschätzt, Sie liebt und bewundert?" Erstens, Sophie, 
ist die Teilung ungleich; die mich hassende Hälfte ist noch 
die mächtige, herrschende, welche beinahe alle hervor 
ragenden Plätze, alle Stellen einnimmt, welche über alle 
Vergnügungen und Zerstreuungen, über alles, was das
	        
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