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leiden sähe, würde ich um so Schrecklicheres aus
stehen !
O, glauben Sie mir Sophie, es gibt einsame Ge
schöpfe, denen kein glückliches Wesen sich nähern darf!
Lesen Sie mein Trauerspiel. Alles, was ich Ihnen hier
sagen könnte, habe ich Hutten aussprechen lassen. Auch
er hatte alle Verleumdungen, alle Arten von Haß, jede
Feindseligkeit ertragen. Ich habe aus ihm den Spiegel
niemer Seele gemacht, und ich konnte dies, da sein Schick
sal und das meinige einander vollständig gleich und von
überraschender Ähnlichkeit sind. Nur die Nachwelt ist
gerecht gegen Männer wie er. Deshalb ist man gezwungen,
sich ein trauriges Glück durch Entsagung auf jedes wahre
und wirkliche Glück zu bereiten. Lesen Sie, was Hutten
zu Maria sagte. Fast das gleiche, was ich Ihnen eben
gesagt habe, wenn auch in anderen Worten, und dies
wird Ihnen alles noch besser verständlich machen. Das
sind keine „deutschen Hirngespinste", wie Sie eines
Abends beinerkten: es ist eine traurige, sehr traurige
Notwendigkeit für solche einsam stehenden Wesen, auch
allein zu bleiben, weil sie sonst noch denen Kummer be
reiten, die sie lieben, welche aber keine so mächtige,
stählerne Organisation haben wie sie!
Sie werden mir aber vielleicht sagen: „Was kümmert's
mich, daß die eine Hälfte der Menschheit Sie haßt, wenn
es eine Hälfte gibt, die nach Ihren eigenen Worten Sie
hochschätzt, Sie liebt und bewundert?" Erstens, Sophie,
ist die Teilung ungleich; die mich hassende Hälfte ist noch
die mächtige, herrschende, welche beinahe alle hervor
ragenden Plätze, alle Stellen einnimmt, welche über alle
Vergnügungen und Zerstreuungen, über alles, was das