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entsagen — und mit welcher Wonne! — viel mehr wie
nötig ist, um mit Ihnen zu leben.
Eins nur werde ich nicht können. Ich werde Ihnen
nichts abschlagen können, Sophie. Ich werde eS immer
bedauern, daß ich nicht reich genug bin, um Ihr Leben
mit all dem Luxus zu schmücken, der allein würdig wäre,
ein solch anbetungswürdiges Wesen wie Sie zu umgeben.
Ich werde nie oder nur sehr schwer den traurigen Mut
haben, Ihnen irgendeine Ausgabe abzuschlagen.
Es ist übrigens auch eines Mannes unwürdig, einem
geliebten Weibe etwas leicht abzuschlagen.
Sie müssen also selbst vernünftig sein, widrigenfalls
überlasse ich es Ihnen, nach Gutdünken zu schalten; aber
das könnte unser Vermögen zerrütten.
Ich könnte allerdings durch Arbeit Geld verdienen. Ich
sage noch mehr, ich kenne wenig Leute, die soviel wie ich
verdienen könnten, wenn dies meine Absicht wäre.
Ich werde daö aber nie tun. Möge dieses Unglück von
mir fernbleiben, diese geistige Prostitution — bei Geistes
arbeiten den Gelderwerb als Ziel vor Augen zu
haben! Es ist nichts gerechter, als bei materieller Arbeit
auf Gelderwerb zu rechnen. Aber eS ist nichts unwürdiger,
widernatürlicher, nichts verhängnisvoller, als in bezug
auf geistige Arbeit, die in eine ganz andere Kategorie
fällt, so zu handeln. Ich werde also nie durch meine
Arbeit Geld zu verdienen suchen.
Nun frage ich Sie, Sophie, werden Sie Vernunft
genug haben, sich mit einem solchen Einkommen zu be
gnügen, und werden Sie mit einer angenehmen, aber
bescheidenen Behaglichkeit zufrieden sein?