Full text : Ferdinand Lassalle

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Sie  hatte  sehr  mächtige  Verwandte.  Vater  und  Mutter
der  Gräfin  waren  schon  lange  tot,  aber  ihre  Brüder,  ihre
natürlichen  Beschützer,  und  auch  ihre  Schwäger  nahmen
die  höchsten  Stellungen  ein.  Es  ist  wahr,  diese  ganze
Familie  war  sehr  aufgebracht  gegen  den  Grasen,  und
alle  verdammten  ihn  heftig.  Häufig  während  der  Dauer
dieser  Ehe  machten  sie  Anstrengungen,  um  den  Grafen
zu  dem  Versprechen  zu  bringen,  daß  er  sein  Betragen
ändern  wolle;  mehrmals  veranstalteten  sie  Familienrat
und  zwangen  auch  den  Grafen,  freiwillige  Abmachungen
zu  unterschreiben,  um  das  Los  der  Gräfin  vor  seinen  Verfolgungen ­
  zu  schützen.  Der  Graf  gab  jedesmal  nach,
versöhnte  sich  auch  scheinbar  und  unterschrieb  alles,  was
man  von  ihm  verlangte;  nach  drei  Tagen  aber  begannen
seine  Freveltaten  von  neuem.  Freiwillige  Abmachungen
unter  Eheleuten  haben  nach  unseren  Gesetzen  nichts  zu
bedeuten.  <
Da  der  Graf'nie  sein  Wort  als  Edelmann  hielt  und
seine  mündlichen  oder  schriftlichen  Versprechungen  schon
am  nächsten  Tage  wieder  brach,  so  blieb  der  Gräfin  nichts
anderes  übrig,  als  sich  ans  Gericht  zu  wenden.
Einmal,  im  Jahre  1843,  veranlaßte  der  Fürst  Hatzfeldt,
der  Bruder  der  Gräfin,  sogar  den  König,  zugunsten  der
Gräfin  zu  intervenieren.  Der  König  befahl  durch  eine
Kabinettsorder  dein  Grafen,  sein  schändliches  Benehmen
gegen  die  Gräfin  zu  ändern.  Aber  der  Gras  blieb  auch
dagegen  taub,  und  da  der  König  bei  uns  nicht  die  Macht
des  Aaren  hat  und  in  Privatangelegenheiten  nicht  eingreifen ­
  kann,  so  blieb  auch  dies  ohne  jegliche  Wirkung.
Es  gab  nur  noch  ein  einziges  Rettungsmittel:  die  Hilfe
der  Gerichte.  Dieses  Mittel  war  schon  längst  ins  Auge
            
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