Full text: Ferdinand Lassalle

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Ich bin von jeher ein Revolutionär aus der Schule 
Robespierre gewesen, der in seiner Konstitution schrieb: 
„Soziale Unterdrückung ist es, wenn auch nur ein einziges 
Individuum unterdrückt wird." Ich sah den vollen 
Egoismus, die ganze Feigheit der aristokratischen Welt, 
welche dieses edle Wesen ihren herzlosen und ange 
faulten Vorurteilen opferte. Nachdem ich diese ganze 
Geschichte untersucht hatte, erkannte ich wohl, daß der 
wahre Ursprung und die Ursache des Unglücks der Gräfin 
nur in dem Adel ihrer Seele lag, die sich nie vor dem 
tyrannischen Geist ihres Mannes erniedrigen und unter 
werfen oder seinen rmwürdigen Launen hatte schmeicheln 
wollen, die nie die Grundsätze des Schönen, Wahren 
und Erhabenen hatte verleugnen wollen. Ich sah, daß 
diese Frau sich während einer Reihe von zwanzig Jahren 
im Unglücke verzehrt hatte, nicht obgleich, sondern weil 
sie größer und edler war als alles, was ich bis dahin 
angetroffen hatte. 
Ich schämte mich für die Menschheit! 
Und alle diese Schrecken und Unterdrückungen gegen 
ein wehrloses Weib! Ich schämte mich meiner Nation! — 
Es ist wahr, es fehlt meiner Nation — ich spreche 
nicht von dem niedern Volke, dieses hat viel Edelmut —, 
eS mangelt der deutschen Aristokratie und Bourgeoisie 
jede Spur von Ritterlichkeit. Sonst wäre so etwas nicht 
möglich gewesen! 
Ich sagte mir selbst also: Möge niemand sagen können, 
daß du alles dies kennst und trotzdem diese Frau ruhig 
erwürgen läßt, ohne ihr zu Hilfe zu kommen. Wenn 
du das tust, mit welchen: Rechte würdest du anderen 
ihren Egoismus und ihre Feigheit vorwerfen können.
	        
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