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machte aber zur Bedingung, daß Mendelssohn Europa
verlassen müsse. Nachdem er aus der Haft entlassen war,
ging er nach Konstantinopel und nach Syrien. Im
Jahre 1854 nahm er teil am Orientkriege gegen Ruß
land als Arzt eines türkischen Regiments, und dieser
meinem Herzen so teure Freund starb auf einem Par-
forcemarsche nach Bajazid.
Nachdem Mendelssohn verurteilt worden, war der
Gras außer sich vor Freude. Denn er hoffte nun nichts
Geringeres, als auch mich dadurch zu vernichten. Ich
hatte freilich nicht das geringste mit der Kassette der
Frau von Meyendorff zu tun; ich war ja in Aachen,
als nieine Freunde diesen unüberlegten Streich in Köln
verübten. Da man mich aber im allgeineinen für die
Seele meiner Freunde hielt, so wurde nun gegen mich
ein Prozeß anhängig gemacht, worin ich als der intellek
tuelle Urheber ihres Kölner Streiches angeklagt wurde.
Ein solcher Prozeß war eigentlich unmöglich, unzulässig,
aber der Graf rechnete stark darauf. Man hatte Mendels
sohn nur deshalb zugrundegerichtct, um sich freien Weg zu
mir zu bahnen. Die königlichen Staatsanwälte stürzten
sich mit Wonne auf diesen Prozeß.
Wer aber mit ganz anderer Wonne, mit blitzenden
Augen und leidenschaftlichen! Herzen sich darauf warf,
das war ich! Denn ich brauchte ihn unbedingt, meinen
eigenen Prozeß, Sophie!
Ich war mit Verleumdungen überschüttet worden.
Man kann sich leicht all die Klatschereien denken, die
durch nieine Haltung hervorgerufen wurden. Ein junger
Mensch von meinein Alter, der sich auf diese Weise
für eine ihm ganz ftemde Frau auswirft! Es begreift