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die größte Zahl von Ausständigen, die Berlin bis dahin gesehen — führt,
die Aussperrung weiterer 20- bis 30 000 Arbeiter androht und Berlin einen
Augenblick in Gefahr bringt, seine Versorgung mit Elektrizität für Licht und
Triebkraft unterbrochen zu sehen. Linker mehr als einem Gesichtspunkt wäre
dieser Kampf, der wiederum die Öffentlichkeit in hohem Grade beschäftigte,
der genauen Beschreibung wert. Den Arbeitern zeigt er die Verantwortung,
die bei der gegenwärtigen Organisation der Industrie und des Unternehmertums
jeder einzelne Bruchteil der Beschäftigten großer Unternehmungen und
der Mitglieder der Organisationen gegenüber der Gesamtheit seiner Kollegen
im Tun und Lassen auf sich nimmt, und daß mehr als je Anterordnung aller
Sonderinteressen unter das Interesse der Allgemeinheit das Losungswort
ihrer gewerblichen Kämpfe ist. Das Äußerste war zu gewärtigen, hätte
nicht die Leitung der Kämpfenden im kritischen Moment mit kluger Aussicht
die Anternehmer gezwungen, sich auf Vergleichsverhandlungen einzulassen.
So konnten immerhin einige Zugeständnisse für die Arbeiter erwirkt werden.
Wäre es bloß auf die rein ökonomischen Machtmittel angekommen, so
hätten die Anternehmer hier wahrscheinlich selbst die wenigen Zugeständnisse
nicht zu machen brauchen, die sie tatsächlich gemacht haben. Wenn sie sich
trotzdem zu ihnen entschlossen, wenn sie außerdem die Arbeiterorganisationen,
über die sie sich zuerst hinwegsetzten, im Fortgang des Kampfes mehr als bei
früheren Kämpfen als Sachwalter der Arbeiterinteressen anerkannten, so
war das dem gestiegenen sozialen Einfluß der Arbeiterklasse zuzuschreiben.
Es ist bemerkenswert, daß bei den Verhandlungen, die in dieser Sache am
l. und 2. Oktober 1905 vor dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts stattfanden,
weit weniger die Mitglieder der Arbeiterausschüsse, mit denen allein die
Anternehmer ursprünglich hatten verhandeln wollen, als die Vertreter der
drei hauptsächlich beteiligten Arbeiterorganisationen — Ad. Cohen vom
Metallarbeiterverband, C.Bruns vom Verband derFabrik-, Land- und Lilfsarbeiter
und O. Schumann vom Verband der Handels- und Transportarbeiter
— für die Arbeiter das Wort führten. Das Streikkomitee hatte sie und
drei Vertreter der Streikenden zur Verhandlung delegiert, und die Meinung der
Anternehmer war gewesen, daß sie nur Auskunft erteilend mitwirken sollten.
Aber ihre Stellung in der Arbeiterschaft, ihre größere Kenntnis der Dinge
und Abung im Verhandeln erzwangen ihnen geradezu die Anerkennung als
die berufenen Sachwalter der Arbeiter. Bei den Schlußverhandlungen
waren es wieder nur Gewerkschaftsbeamte, die vor den Anternehmern
die Sache der Arbeiter führten. Nicht formell im Namen der Gewerkschaft,
aber den Anternehmern als Bezirksleiter dieser bekannt und faktisch als solche
von ihnen gewertet. Es fehlte nur noch wenig, daß der Vertrag von
Organisation zu Organisation geschlossen worden wäre. Die machtvollste
Verbindung der Industriekapitalisten war den Verbindungen der Arbeiter
ein großes Stück weiter entgegengekommen, als je vorher, und das war ein
größerer Erfolg, als es die Bewilligung etwas höherer Löhne gewesen wäre.
So besiegelte auch der Ausgang dieses Kampfes, der den Gewerkschaften
unter ungünstigen Verhältnissen aufgezwungen worden war, ihren
sicheren Aufstieg zur Verwirklichung der Demokratie im Gewerbe.
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