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sich, daß viele es sich nicht anders erklären konnten, als
daß sie ein Liebesverhältnis voraussetzten. Da die
Menschen im allgemeinen weder Prinzipien noch Ge
wissen haben, so begreifen sie nicht, daß es andere gibt,
für welche diese Dinge die mächtigste Triebfeder sind.
Man sagte also, ich sei in sie verliebt. Aber für den
Grafen war eine solche schwarze Verleumdung noch
nicht genug. Er suchte das Gerücht zu verbreiten, trotz
meiner unabhängigen finanziellen Lage, daß ich mich
seiner Angelegenheit nur aus schändlicher Spekulation
angenommen habe.
Alles das ging mir sehr zu Herzen. Wenn die Ver
leumdung von Haus ju Haus läuft, so kann man ihr nicht
von Haus zu Haus nachlaufen, um sie zu widerlegen.
Deshalb brauchte ich eine Gelegenheit, um selbst zum
ganzen Volk sprechen zu können! Ich brauchte einen
Kriminalprozeß, eine feierliche Gelegenheit, um alle
Verleumdungen niederzuschlagen, um mit Beweis
stücken in der Hand hervorzutreten, um die Lüge nieder
zuschmettern und durch unumstößliche Tatsachen die
wahre Natur meiner Schilderhebung für die Gräfin
klarzulegen.
Andererseits war es mir auch nötig im Interesse der
Gräfin. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, vor allem Volke
diesen Streit zwischen ihr und dem Grafen kundzutun
und aufzudecken und durch die Darlegung der Ge
schichte dieser Ehe ihn moralisch zu vernichten und ihr
eine schreckliche Genugtuung zu verschaffen,
l'. Die Advokaten beschworen mich freilich, das nicht zu
tun und in diese Debatten nicht auch den Streit zwischen
ihr und ihm hereinzuziehen, um meine eigene Gefahr