Full text : Ferdinand Lassalle

Es  war  im  August  1854,  als  dieser  Kampf  siegreich
beendet  wurde.
Drei  Jahre  später,  in  Berlin  im  Jahre  1857,  zwang
ich  durch  die  Veröffentlichung  meines  „Herakleitos"
unsere  großen  Gelehrten,  die  Humboldt  und  die  Böckh,
mich  mit  offenen  Armen  als  ihresgleichen  aufzunehmen.
Im  Jahre  1858  schrieb  ich  die  Tragödie  und  1859  die
Broschüre,  die  ich  Ihnen  gegeben  habe.
Im  Jahre  1860  machte  ich  —  o  süße  und  angenehme
Erinnerung  —  in  Aachen  die  Bekanntschaft  von  Sophie
Adrianowna.
Dies  sind  die  wichtigsten  Ereignisse  meines  Lebens!
Jetzt,  Sophie,  will  ich  Ihnen  noch  einige  Worte  sagen
in  bezug  auf  die  Gräfin.  Sie  haben  gesehen,  daß  ich
viel  für  diese  Frau  gekämpft  habe.  Jeder  Kampf  war
mir  inlmer  angenehm,  wenn  es  sich  um  sie  handelte,
und  durch  jeden  Kampf,  den  ich  für  sie  hatte,  wurde
sie  mir  immer  teurer.
Ich  liebe  sie  auch  mit  der  Liebe  des  zärtlichsten  Sohnes,
der  je  existiert  hat;  ich  liebe  sie  wie  eine  Mutter,  nein!
ich  liebe  sie  noch  dreimal  mehr  als  meine  zärtlich  geliebte
Mutter.  Das  kommt  daher,  weil  sie  nur  weit  nähersteht ­
  durch  Seelenhöhe  und  Gefühlsgröße,  die  ich  noch
bei  niemand  sonst  gefunden  habe,  außer  bei  Ihnen.
Ja,  Sie  sind  die  einzige  Frau,  die  ich  bis  jetzt  kennengelernt ­
  habe,  die  ihr  darin  gleicht.  Ja,  Sie  gleichen  ihr
sehr!  Sie  sind  aus  demselben  Holze,  von  derselben
Geisteörichtung,  von  demselben  Enthusiasmus  für  alles,
was  es  Hohes  und  EdleS  gibt.  Welches  Glück  für  mich,
denselben  Typus  für  Mutter  und  Frau  gefunden  zu
haben.

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