Full text : Ferdinand Lassalle

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Verstand  machte  einen  sehr  angenehmen  Eindruck  und
flößte  Zutrauen  ein.  Die  Liebe  zum  Sohne  sprach  aus
dem  ganzen  Wesen  des  Alten.  Ich  erinnere  mich  einer
charakteristischen  Phrase  aus  dem  Gespräche  des  Vaters
mit  dem  Sohne:
„Vater!  Was  hast  du  heute  zu  tun?"  fragte  Lassalle
bald  nach  dessen  Ankunft.
„Bloß  dich  zu  lieben,  mein  Kind!"  antwortete  heiter
der  Alte,  indem  er  die  Hand  auf  die  Schulter  des  Sohnes
legte.
„Nun,  das  ist  ausgezeichnet.  Ich  besorge  eine  Loge
im  Theater.  Heute  wird  ,Lohengrin'  von  Wagner  gegeben, ­
  er  wird  selbst  das  Orchester  dirigieren."
„Ich  eile,  eine  Loge  zu  holen,  und  werde  bestimmt
eine  auftreiben."
Um  zwölf  Uhr  berieten  sich  mein  Vater  und  Lassalle
lange  nnt  Or.  Frerichs,  der  meinem  Vater  kein  solches
Vertrauen  einflößte  wie  Walther.  Darauf  kam  die  Gräfin
Hatzfeldt.  Der  alte  Lassalle  brachte  die  Billetts  zur
Loge  und  ging  selbst,  die  Mutter  Lassalles  zum  Mittagessen ­
  abzuholen.  Die  Mutter  war  das  gerade  Gegenteil ­
  von  ihrem  Manne.  So  kräftig,  jugendlich,  frisch  und
beweglich  der  Alte  war,  so  gebrechlich,  schwach  und  kraftlos ­
  war  seine  Frau.  Ein  kleines,  krankes  Mütterchen,
ganz  verschrumpft,  ganz  taub,  blickte  sie  ebenso  liebevoll
mit  ihren  kleinen  zusammengekniffenen  und  blöden
Augen  auf  den  Sohn  wie  auf  den  Vater.  Nur  mit  den
Augen  folgte  sie  dem  Gespräch  und  nickte  gutmütig
zustimmend  nnt  dem  Kopfe,  lächelnd,  als  ob  sie  sagen
wollte:  Ich  verstehe  nichts  von  dem,  was  ihr  alle
da  so  fröhlich  miteinander  plaudert,  aber  ich  freue  mich,
            
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