Full text : Ferdinand Lassalle

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daß  ihr  vergnügt  seid.  Auweilen  zupfte  sie  ihren  Mann
am  Ärmel  und  verlangte,  daß  er  ihr  erklären  solle,  was
um  sie  herum  gesprochen  würde.  Und  es  war  rührend
zu  sehen,  wie  der  Alte  versuchte,  ihr  das  zu  verdeutlichen, ­
  wovon  die  Rede  war,  ordentlich  wie  eine  gute
Wärterin  einem  kleinen  Kinde.  Überhaupt  ging  er  sehr
zärtlich  und  liebevoll  mit  ihr  um;  man  sah,  daß  ihm  dies
vollständig  zur  Gewohnheit  geworden  war.  Die  Hände
zitterten  ihr  vor  Schwäche  —  er  schnitt  ihr  das  Essen
vor.  Sie  hatte  eine  lange  und  schwere  Krankheit  durchgemacht, ­
  deren  Folge  eine  vollständige  Schwäche  des
Organismus  war.  Ungeachtet  dessen  glanzte  in  ihren
Augen  der  Ausdruck  vollkommenen  Glücks  und  der
Liebe  zu  den  zwei  Wesen,  die  bei  Tische  zu  ihren  beiden
Seiten  saßen.  Hätte  man  wohl,  wenn  man  dieses  alte
Mütterchen  ansah,  sich  vorstellen  können,  daß  dieses
schwache,  gebrochene  Geschöpf,  welches  so  hilflos  wie  ein
Kind  war,  sowohl  den  angebeteten  Mann  wie  auch  den
Sohn  ins  Grab  legen  würde!  Es  geschah  indes  also:
sie  überlebte  Mann  und  Sohn.
Die  Gräfin  war  sehr  liebenswürdig.  Ihre  immer
verständige  und  sympathische  Unterhaltung  belebte
unsern  kleinen  Kreis  sehr;  in  ihrer  Nähe  konnte  es  nie
uninteressant  sein.
Nach  dem  Mittagessen  begaben  wir  uns  zur  Gräfin,
in  ihre  kleine  und  sehr  einfache  Wohnung,  deren  Hauptschniuck
  eine  Büste  Lassalles  in  natürlicher  Größe  war,
aus  einem  etwa  zehn  Jahre  jüngern  Lebensalter  als
das,  wo  wir  miteinander  bekannt  wurden.  Diese  Büste
stand  am  auffallendsten  Platz,  und  es  war  sehr  interessant,
danebenstehend  auch  das  Original  zu  sehen.
            
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