Full text: Ferdinand Lassalle

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Direkt von der Gräfin aus fuhren wir vier ins 
Theater. Nach den Petersburger und anderen europäischen 
Theatern kam mir das Berliner Opernhaus düster, 
schlecht beleuchtet vor. Bald fesselte die Musik unsere 
ganze Aufmerksamkeit. Das Orchester machte seine 
Sache ausgezeichnet. Wagner, der es dirigierte, schien 
ihm seine Seele einzuhauchen. Lassalle, der uns vorher 
mit dem Inhalte dieser Oper bekanntgemacht hatte, 
rezitierte während der ganzen Oper, hinter mir sitzend, 
das Libretto auswendig, mit einem solchen Eifer, daß 
es schwer war, zu entscheiden, was besser war, seine 
Deklamation oder das Spiel der Künstler auf der Bühne. 
Lassalle hatte eine merkwürdig ausgebildete Intonation 
der Stimme und Übergänge von der leidenschaftlichsten, 
energischsten Redeweise bis zum zartesten Ausdruck, er 
konnte dadurch den stärksten und frappantesten Eindruck 
hervorbringen. Seine Rede zeichnete sich durch die 
Abwesenheit jeglicher Monotonie aus. Niemals noch 
hörte ich eine Oper mit solchem Eifer, niemals verstand 
ich eine besser, bis in die geringsten Schattierungen. 
Lassalle schien von der Oper ganz hingerissen. In den 
Zwischenakten sprach er von der Idee, die darin durch 
geführt sei, von den Gefühlen, die sie hervorruft. Wie 
ein unaufhaltsamer Strom floß seine begeisterte Rede 
dahin, seine Augen glänzten, und es schien, als ob er 
nicht spräche, sondern sänge, wie ein nordischer Barde. 
Dieser Abend im Theater und das darauffolgende Ge 
spräch rissen mich hin und bezauberten mich. Dies war 
der Moment, in welchenr ich von Lassalle am meisten 
gefesselt war. Ich dachte, heute gäbe ich ihm meine 
Einwilligung.
	        
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