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meinem Herzen entstand ein neues Gefühl — das der
liebenden Schwester. Ich legte ihm die Hand auf
den Kopf und weinte leise; ich konnte nichts mehr
sagen.
Mein Vater umarmte ihn auch mit Tränen in den
Augen und sagte:
„Leben Sie wohl. Lassalle. Sie, als starker Mann,
dürfen den Mut nicht verlieren. Zürnen sie ihr nicht,
ich war Zeuge dessen, wie lange sie mit sich kämpfte,
ehe sie Ihnen ihr letztes Wort sagte. Enden wir lieber.
Leben Sie wohl! Morgen mit dem Frühzuge reisen
wir. Nicht so wäre ich gern von Ihnen geschieden."
„Nein, nein! Entführen Sie sie nicht so unerwartet!
Lieber morgen mit dem allerletzten Zuge. Bringen
Sie noch einen Tag bei mir zu! Lassen Sie sie mich noch
einmal in meinem Hause sehen."
„Wozu? Lassen Sie uns lieber jetzt scheiden," sagte
mein Vater.
„Nein, ich gehe nicht fort, bevor Sie mir nicht das
Wort geben, daß Sie meine Bitte erfüllen. Das ist ja
eine solche Kleinigkeit, bin ich denn das nicht einmal
wert? Auf Ihr Wort baue ich, und wenn Sie es mir
nicht geben, werde ich die ganze Nacht vo.r Ihrer Schwelle
liegen bleiben!"
Wir mußten nachgeben und noch einen Tag länger
in Berlin bleiben.
Es war ein trüber, regnerischer Tag; er harmonierte
ganz mit unserer Geistesstimmung. Lassalle kam sehr
früh und führte uns zu sich nach Hause. Die Mutter
Lassalles konnte nicht zu Mittag kommen, und der alte
Herr blieb natürlich bei ihr. Ich war während der ganzen