Full text: Ferdinand Lassalle

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Wie Sie mich doch mißverstehen, wenn Sie schreiben: 
.Können Sie sich nicht auf einige Zeit in Wissenschaft, 
Freundschaft und schöner Natur genügen?' Sie meinen, 
ich müsse Politik haben. 
Auch wie wenig Sie au kalt in niir sind. Ich wünsche 
nichts sehnlicher, als die ganze Politik loszuwerden, 
um mich in Wissenschaft, Freundschaft und Natur zurück 
zuziehen. Ich bin der Politik müde und satt. Zwar ich 
würde so leidenschaftlich wie je für dieselbe entflammen, 
wenn ernste Ereignisse da wären, oder wenn ich die 
Macht hätte oder ein Mittel sähe, sie zu erobern — ein 
solches Mittel, das sich für nnch schickt; denn ohne höchste 
Macht läßt sich nichts machen. Zum Kinderspiel aber 
bin ich zu alt und zu groß. Darum habe ich höchst ungern 
das Präsidium übernommen. Ich gab nur Ihnen nach. 
Darum drückt es mich jetzt gewaltig. Wenn ich es los 
wäre, jetzt wäre der Moment, wo ich entschlossen wäre, 
mit Ihnen nnch Neapel zu ziehen! (Aber, wie es los 
werden?!) 
Denn die Ereignisse werden sich, fürcht' ich, langsam, 
langsam entwickeln, und meine glühende Seele hat an 
diesen Kinderkrankheiten und chronischen Prozessen keinen 
Spaß. Politik heißt aktuelle, momentane Wirksamkeit. 
Alles andere kann man auch von der Wissenschaft aus 
besorgen. 
In den ersten Augusttagen erfuhr Helene von ihren Eltern, daß 
sie die Verbindung mit Lassalle nicht wünschten und nicht zugäben. 
Sofort verständigt Helene durch ein heimliches Briefchen Lassalle, 
den sie „mein Glück und mein Schicksal" nennt, von diesem Wider 
stand, und sie schreibt dazu: „Jedenfalls bleibe ich felsenfest." Ja,
	        
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