Full text : Ferdinand Lassalle

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Helene  selbst  war  —  nach  jenem  ergebnislosen  Besuch  in  Lassalles
Gemächern  —  schwankend  geworden.  Der  Bevollmächtigte  ihres
Vaters  konnte  einen  Aettel  vorweisen,  der  ihre  Sinnesänderung
bewies.  Sie  war  freilich  von  ihrer  Familie  hart  bedrängt  worden.
Am  7.  August  sandte  Lassalle  an  Helene  diesen  flammenden  Brief.
„Ich  liebe  Dich  bis  zum  Wahnsinn"
Sonntag,  7.  August
Helene!
Was  ich  leide,  übersteigt  alle  und  jede  Grenzen!  Doch
davon  ein  andernial.  —  Hier  nur  das  Wichtigste:
1.  Man  hat  Dir  gesagt,  daß  Du  wegen  der  Gesandteneigenschaft ­
  Deines  Vaters  unter  Münchener  Gesetz
ständest  und  folglich  noch  minderjährig  seiest.  Das  ist
falsch!  Du  bist,  solange  Du  hier  bist,  mit  einundzwanzig
Jahren  volljährig,  trotz  aller  jener  Einwendungen.  Du
kannst  jeden  Tag,  jeden  Augenblick  nnt  vollem  gesetzlichen ­
  Recht  das  Haus  Deines  Vaters  verlassen,  in
welchem  Du  sequestriert  bist.  Der  bloße  Umstand,  daß
Du  keine  Briefe  von  mir  empfangen  kannst  —  ich  habe
fünf  vergeblich  an  Dich  geschrieben  —,  stellt  eine  Sequestration ­
  dar.  Ich  habe  Dich  selbst  Deiner  Mutter
zurückgeführt,  weil  ich  Dir  einmal  zugesagt  hatte,  zuvor
alle  Rücksichten  und  alle  Wege  der  Güte  zu  erschöpfen.
Sie  sind  erschöpft,  fruchtlos  erschöpft,  und  ich  fordere
Dich  jetzt  auf.  Dein  Recht  in  Anspruch  zu  nehmen  und
Dich  unter  meinen  und  deS  Gesetzes  Schutz  zu  stellen.
2.  Es  ist  unmöglich,  daß  es  wahr  sei,  was  man  mir
sagte:  Du  habest  mich  aufgegeben.  Rur  die  Täuschung,
            
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