Full text : Ferdinand Lassalle

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daß  Du  noch  minderjährig  bist,  kann  Dir  eine  solche
Konzession  entrissen  haben.  Es  ist  unmöglich,  daß  Deine
Schwüre  Meineide  gewesen  sind,  daß  Du  die  Schwäche
bis  auf  diesen  Punkt  treibst.  Du  hast  kein  Recht,  alle
die  Zusicherungen  zu  brechen,  die  wir  so  fest  uns  gegeben ­
  hatten.  Du  hast  kein  Recht,  das  Übermaß  von
Rücksicht  und  Delikatesse,  mit  welchem  ich  Dich  Deiner
Mutter  zurückgab,  so  schrecklich  undankbar,  so  schändlich  zu
entgelten.  Du  hast  kein  Recht,  mich  zu  kompromittieren,
indem  Du  niich  in  freier  Initiative  in  ein  Unternehmen
verwickelt  hast,  auf  das  ich  mich  unter  der  Beteuerung,
daß  Du  felsenfest  entschlossen  seiest,  einließ.
3.  Willst  Du  mich  gleichwohl  Deinem  Vater  aufopfern, ­
  gut,  so  fordere  ich  wenigstens  noch  eine  einzige
Unterredung  von  Dir,  um  mein  Los  aus  Deinem  eigenen
Munde  zu  vernehmen.  Früher  kann  und  werde  ich  Dich
nicht  aufgeben.  Diese  Unterredung  —  die  letzte  unseres
Lebens  —  Du  kannst  und  darfst  sie  nicht  abschlagen.
Du  hast  mich  namenlos  unglücklich  gemacht;  ich  liebe
Dich  jetzt  mit  einer  Glut,  gegen  welche  alles  andere  und
Frühere  bloßer  Anfang  war.  Seit  Mittwochnacht  liebe
ich  Dich  bis  zum  Wahnsinn.

An  diesem  Tage  war  die  ganze  Familie  von  Doenniges  aus  Genf
verschwunden.  Lassalle  verbrachte  dort  noch  sechs  harte  Tage.
Lassalle  versuchte  in  Deutschland  Himmel  und  Hölle  für  sich  in
Bewegung  zu  sehen,  in  Mainz  wollte  er  die  Hilfe  des  Bischofs  erringen, ­
  in  München  sollte  ihm  der  Minister  des  Auswärtigen
Freiherr  von  Schrenk  beistehen,  auch  an  den  König  von  Bayern
hatte  er  gedacht.  Der  folgende  Brief  aus  München  an  die  Gräfin
Hatzfeldt  zeigt  Lassalle  in  rasender  Tätigkeit.
            
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