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Auch die Beziehungen der Verbände untereinander sind sehr viel
lockerer, als das bei uns üblich ist. Das gewerkschaftliche Leben
spielt sich mehr innerhalb des einzelnen Verbandes ab. Die Be-
rührungspunkte im Rahmen der Gesamtbewegung sind seltener und
beschränken sich fast ganz auf Ausschüsse der oberen Funktionäre.
Dem einzelnen Gewerkschaftsmitglied ist sein Verband, ja mehr
noch seine Lokalunion, oft der Inbegriff der ganzen Gewerkschafts-
bewegung. Dass die dezentralistische Tendenz der Gesamt-
bewegung sich auch noch innerhalb der einzelnen Zentralverbände
fortsetzt, dass die Selbständigkeit der Lokalvereine grösser ist und
die Mitglieder desselben Zentralverbandes in einem Ort sich häufig
auf eine ganze Anzahl Lokalunionen aufteilen, von denen jede eine
eigene Verwaltung, häufig ein eigenes Bureau und eigene An-
gestellte hat, wurde bereits ausgeführt.
Die Voranstellung der engeren Berufsinteressen zeigt sich auch
bei den Bemühungen, auf den Arbeitsmarkt Einfluss zu erlangen.
Die Sicherheit der Arbeitsgelegenheit ist für jeden Arbeiter ein
hochgeschätzter Vorteil, und diesen Vorteil zu vertreten, ist eine
naheliegende Aufgabe der Gewerkschaften. Auch bei uns und in
anderen Ländern ist zu beobachten, dass jede Gewerkschaft dabei
vornehmlich an die eigenen Mitglieder denkt und wenig davon
erbaut ist, wenn auf ihrem Arbeitsmarkt andere Verkäufer der Ware
Arbeitskraft auftreten. Das dem Berufsegoismus entzgegenstehende
Gefühl einer allgemeinen Arbeitersolidarität wirkt aber doch bei
uns stark bremsend auf diese Tendenz ein. In Amerika sahen wir
diese Tendenz jedenfalls weit stärker entwickelt, wie denn dort
überhaupt die Sicherung des Arbeitsplatzes durch die Gewerkschaft
eine grössere Rolle spielt. Es gibt wohl nur wenige Tarifverträge,
in denen nicht das Recht der vertragschliessenden Gewerkschaft
verbrieft ist, alle Arbeitsplätze in den Vertragsbetrieben aus-
schliesslich mit ihren Mitgliedern besetzen zu dürfen. Dies Recht
gilt geradezu als das Primat des gewerkschaftlichen Einflusses.
Der „Union-Shop“, d.h. der von den Gewerkschaften erfasste
Betrieb, ist deshalb auch immer ein „Closed-Shop“, d. h. für Nicht-
organisierte verschlossen. Umgekehrt ist aber auch der „Open-
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