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Nach sechseinhalb Uhr fuhren wir mit Hofstetten, den
Lassalle für alle Fälle mitnehmen wollte, nach Carouge,
einer Vorstadt von Genf, ab. Hier sollten sich die Par
teien um siebeneinhalb Uhr treffen. Vor der Abfahrt
hatte mir Lassalle sein Testament übergeben, das ich
im Fall eines unglücklichen Ausgangs der Frau Gräfin
von Hatzfeldt zur Beförderung an die Genfer Justiz
übergeben sollte; wie auch geschehen ist. Vor sieben Uhr
waren wir in Carouge. Unterwegs hatte niich Lassalle
wiederholt gebeten, ich möge doch machen, daß das
Duell auf französischem Boden stattfinde, damit er doch
in Genf bleiben und die Angelegenheit mit dem alten
„Ausreißer" erledigen konnte. So sehr ich niich über
seine Sicherheit freute, war nur das doch etwas zu arg.
Ich bemerkte ihm, daß er auf der Mensur nicht allein
stehe, lind daß jede Kugel treffen könne, man dürfe
einen Gegner nie verachten. Aber meine Worte inachten
keinen Eindruck.
Vor sieben Uhr waren wir in Carouge, und da die
Gegenpartei noch nicht angekonnnen war, warteten wir:
Lassalle, der nicht die geringste Aufregung verriet, trank
eine Tasse Tee.
Uin siebeneinhalb Uhr kamen die andern. Sie hatten
den Dr. Seiler bei sich, der einen passenden Ort kannte.
Sie fuhren voraus, und wir folgten. Hofstetten ließen
wir in Carouge zurück, er sollte in einer Droschke nach
fahren. In der Nähe des Platzes, den Dr. Seiler im Auge
hatte, stiegen wir aus und gingen durch das Gebüsch,
bis wir an Ort und Stelle waren.
Ich wurde durch das Los dazu bestimnit, für den
ersten Schuß zu laden und das Kommando zu geben.