Full text: Ferdinand Lassalle

2.60 
Die Parteien wurden nun auf die Mensur gestellt, 
während ich lud. Man ermahnte mich von mehreren 
Seiten, ja recht akzentuiert und laut zu kommandieren; 
dieser Ermahnung bedurfte es natürlich nicht. Für 
jeden Schuß waren zwanzig Sekunden gegeben, welche 
von dem ladenden Sekundanten dadurch zu markieren 
waren, daß er beim Anfang 1, bei zehn Sekunden 2, 
bei zwanzig Sekunden 3 kommandierte. Ich beobachtete 
die Vorsicht, vorher noch „Achtung!" zu rufen. 
Ich gab das Kommando 1. Kaum fünf Sekunden 
nachher fiel der erste Schuß, und zwar von seiten des 
Herrn von Racowitza. Unmittelbar nachher, es verging 
nicht eine Sekunde, antwortete Lassalle. 
Er schoß vorbei, er hatte den Tod schon im Leibe. Es war 
ein Wunder, daß er überhaupt noch hatte schießen können. 
Nachdem er gefeuert, trat er unwillkürlich zwei Schritte 
links. Nun erst hörte ich — denn ich hatte auf die Uhr 
sehen müssen —, wie jemand (ich weiß nicht, war es 
General Bethlen oder vr. Seiler) fragte: „Sind Sie 
verwundet?" 
Darauf antwortete Lassalle: „Ja." 
Wir führten ihn nun sogleich auf eine Decke, wo man 
ihn niederlegte und den ersten Verband anlegte. 
Während die Gegenpartei sich entfernte, führten Doktor 
Seiler und ich Lassalle zu einer Kutsche und halfen ihm 
hinein. Wir beide fuhren mit ihm und unterstützten ihn 
unterwegs, so gut es ging. Bethlen fuhr mit Hofstetten in 
der Droschke zurück, in welcher der letztere gekommen war. 
Ich ließ den Kutscher die Wege einschlagen, wo es 
kein Pflaster gab. Nur zweihundert Schritte weit hatten 
wir über Steine zu fahren.,
	        
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