Full text : Ferdinand Lassalle

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Als  wir  später  Schiebe  fragten,  zeigte  er  uns  Kopien.
Meine  war  wirklich  gut.  Doch  sagte  mir  Schiebe:  „Bei
dir  habe  ich  noch  ein  Anhängsel  gemacht.  Du  hast  einen
zu  großen  Dünkel.  Du  willst  Voltaire  lesen  und  verstehst ­
  ihn  doch  nicht.  (So?)  Du  denkst,  du  weißt  Wunder
was,  alter  Lassal."
„Sie  entschuldigen,"  entgegnete  ich,  „ich  kann  mit
Sokrates  sagen:  Ich  weiß,  daß  ich  nichts  weiß."
Da  war  ich  schlecht  angelaufen.
„Ein  Kaufmann,  der  von  SokrateS  und  Cicero  spricht,"
sagte  Schiebe,  „wird  gar  bald  seinem  Bankerott  entgegengehen." ­
  Welche  Dummheit!!
Verdrießlich  lief  ich  weg.  Unten  stand  Heuschkel,  der
mir  wirklich  gut  ist.  Ich  erzählte  ihm  den  Auftritt.
„Das  hätte  ich  Ihnen  im  voraus  sagen  können.  Herr
Rektor  liebt  das  nicht.  Von  mir  haben  Sie  die  beste
Zensur  der  Klasse."
Demokrat  oder  Aristokrat?
Sonntag,  19.  Juli
Ich  war  im  Theater.  Loewe  gab  den  Fiesko.  Bei
Gott,  ein  großartiger  Charakter,  dieser  Graf  von  Lavagna!
Ich  weiß  nicht,  trotzdem  ich  jetzt  revolutionär-demokratisch-republikanische ­
  Gesinnungen  habe  wie  einer,  so
fühle  ich  doch,  daß  ich  an  der  Stelle  des  Grafen  Lavagna
ebenso  gehandelt  und  mich  nicht  damit  begnügt  hätte,
Genuas  erster  Bürger  zu  sein,  sondern  nach  dem  Diadem
meine  Hand  ausgestreckt  hätte.  Daraus  ergibt  sich,  wenn
ich  die  Sache  bei  Licht  betrachte,  daß  ich  bloß  Egoist  bin.
Wäre  ich  als  Prinz  oder  Fürst  geboren,  ich  würde  mit
            
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