Full text : Ferdinand Lassalle

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Der  erste  Prozeß
Donnerstag,  11.  März
Heute  ist  Herrn  Direktors  Geburtstag.  Ich  gratulierte
ihm  und  begab  mich  dann  in  die  Schule.  Mit  einem
Entschuldigungszettel  Ferdinands  versehen,  begab  ich
mich  zu  Schieben.  Kaum  wurde  mich  dieser  gewahr,
wurde  er  wütend,  sagte,  weder  Zettel  noch  Cousin  gehe
ihn  was  an,  ich  hätte  gegen  das  Regulativ  verstoßen
und  müsse  um  neun  Uhr  vor  die  Synode  kommen.  Das
war  zu  viel.  Das  hieß  die  Pedanterie  und  den  Haß
aufs  höchste  steigern.  Ich  begab  mich  in  die  Klasse,
wo  gleich  die  Schüler  auf  mich  zueilten,  doch  ich  zog
mich  mit  Becker  zurück  und  erzählte  es  ihm.  Er  empfahl
mir  vor  allen  Dingen  stoische  Ruhe.
Um  neun  Uhr  wurde  ich  heruntergerufen.
Ich  trat  ein.  In  der  Mitte  saß  der  Direktor,  um  ihn
herum  in  einem  Halbkreis  sämtliche  Lehrer.  Ich  stellte
mich  dicht  am  Eingang  hin  mit  zusammengefalteten
Händen,  die  Augen  zu  Boden  geschlagen.  Während
der  ganzen  Verhandlung  war  ich  bemüht,  alle  die  Gefühle, ­
  die  mich  wechselweise  bestürmten,  auch  durch
kein  Jucken  meines  Mundes  zu  verraten.  Haß,  Verachtung, ­
  Hohn,  Ärger,  Trauer,  Wut,  Gleichgültigkeit
wechselten  in  meiner  Brust,  doch  verriet  nichts,  was  da
drinnen  vorging,  und  mit  der  größten  Anstrengung
zwang  ich  meine  Gesichtszüge  zu  einer  Ruhe,  die  schlecht
zu  meiner  Lage  paßte,  bei  einem  Eintretenden  aber
gewiß  dem  Gedanken,  ich  stehe  jetzt  vor  der  Synode,
widersprochen  hätte.
            
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