Full text : Ferdinand Lassalle

44

mußte  es  sein.  Seitdem  hat  jener  Kampf  ununterbrochen
gewährt.  Er  wurde  geführt  nicht  durch  die  rohe  physische
Macht,  sondern  durch  die  Macht  des  Geistes.  In  jedem
Lande,  unter  jeder  Nation  erheben  sich  Männer,  die
mit  dem  Worte  kämpften,  fielen  oder  siegten.  Der  Kampf
um  die  edelsten  Zwecke,  er  wird  auf  die  edelste  Weise
geführt.  Freilich  muß  später  durch  die  physische  Gewalt
die  Wahrheit  unterstützt  werden,  denn  sie  wollen  es  nicht
anders,  die  Leute  auf  den  Thronen.  Nun,  so  laß  uns
die  Völker  nicht  aufregen,  nein,  erleuchten,  aufklären."
Mein  Vater  schwieg  lange,  dann  sagte  er:  „Mein
Sohn,  ich  verkenne  nicht  die  Wahrheit,  die  in  deiner
Rede  liegt,  aber  warum  willst  du  gerade  zum  Märtyrer
werden?  Du,  unsere  einzige  Hoffnung,  Stütze.  Die
Freiheit  muß  errungen  werden,  aber  sie  wird's  auch
ohne  dich.  Bleib  bei  uns,  mach  du  unser  Glück  aus,
wirf  dich  nicht  in  jenen  Kampf.  Selbst  wenn  du  in  ihm
siegst,  gehen  wir  doch  unter.  Wir  lebten  nur  für  dich.
Vergilt  uns.  Du  allein,  du  änderst's  nicht.  Laß  Leute
kämpfen,  die  nichts  zu  verlieren  haben,  an  deren  Geschick ­
  nicht  das  Herz  der  Eltern  hängt."
O  ja,  er  hat  recht!  Warum  soll  ich  gerade  zum  Märtyrer ­
  werden?  Doch  wenn  jeder  so  spräche,  so  feig  sich
zurückzöge,  wann  würde  dann  ein  Kämpfer  aufstehen?
Warum  soll  ich  gerade  zum  Märtyrer  werden?
Warum?  Weil  Gott  mir  die  Stimme  in  die  Brust
gelegt,  die  mich  aufruft  zum  Kampfe,  weil  Gott  niir
die  Kraft  gegeben,  ich  fühle  es,  die  mich  befähigt  zum
Kampfe!  Weil  ich  für  einen  edlen  Zweck  kämpfen  und
leiden  kann!  Weil  ich  Gott  um  die  Kräfte,  die  er  mir
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.