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schöpfen. Denn wie aus dem Quell die Glieder badend
Frische saugen, und wie das nachgiebige Element der
Flut den Körper stärkt zu neuem Ringen, so saugt sich
aus der weichen, wahren Liebe Schoß der Geist die
Kraft, um einer Welt des Hasses zu begegnen!
Es stelle einer sich, so stark er will — diese Gewißheit
braucht er doch: geliebt zu werden! Sonst ist die Quelle
seiner Kraft versiegt, und leicht verbraucht ist der er
worbene Vorrat!
Das ist der wahre Sinn von jener Fabel vom Riesen,
dessen Kraft sich stets aufs neu' entzündet, so oft den
Mutterschoß der Erde er berührt!
Das seid Ihr mir! An Eurer schrankenlosen Liebe,
Eurem Selbstaufgeben, Eurer Weichheit erweicht sich
mein versteinert Wesen, trinkt neue Wärme, neue Glut
aus ihm! Drum — welches harte Schicksal mir begegne
— ich denk' an Euch: und frisch ermannt find' ich zum
Ungeheuren selbst die Kraft! Wie sich die Venus an den
rauhen Kriegsgott, so schmiegt Ihr Euch an mein wildes
Wesen, nachgebend jedem trotz'gen Ungestüm! Bei Euch
nur gelt' ich, weil ich bin, nicht weil ich handle und
wie ich handle, und nimmer wähnt Ihr in des eignen
Geistes Macht zu fesseln mir die ungestüme Seele. So
liebt Ihr mich mit allen meinen Knorr'n, just wie der
Bergstrom liebt sein Bette, in das er schäumend querüber
Bahn sich brechend sich ergießt!
Nicht, wollt Ihr selbstgeschaffene Bahnen ihm be
reiten, ihm dämmend feindlich gegenübertreten und
in die Regel zwingen seinen Lauf. Drum, wie der Berg
strom liebt sein Bette, so lieb' ich Euch, und wo der jähe
Lauf mich hinträgt, an uralter Eichen hundertjähriger