Full text : Ferdinand Lassalle

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schöpfen.  Denn  wie  aus  dem  Quell  die  Glieder  badend
Frische  saugen,  und  wie  das  nachgiebige  Element  der
Flut  den  Körper  stärkt  zu  neuem  Ringen,  so  saugt  sich
aus  der  weichen,  wahren  Liebe  Schoß  der  Geist  die
Kraft,  um  einer  Welt  des  Hasses  zu  begegnen!
Es  stelle  einer  sich,  so  stark  er  will  —  diese  Gewißheit
braucht  er  doch:  geliebt  zu  werden!  Sonst  ist  die  Quelle
seiner  Kraft  versiegt,  und  leicht  verbraucht  ist  der  erworbene ­
  Vorrat!
Das  ist  der  wahre  Sinn  von  jener  Fabel  vom  Riesen,
dessen  Kraft  sich  stets  aufs  neu'  entzündet,  so  oft  den
Mutterschoß  der  Erde  er  berührt!
Das  seid  Ihr  mir!  An  Eurer  schrankenlosen  Liebe,
Eurem  Selbstaufgeben,  Eurer  Weichheit  erweicht  sich
mein  versteinert  Wesen,  trinkt  neue  Wärme,  neue  Glut
aus  ihm!  Drum  —  welches  harte  Schicksal  mir  begegne
—  ich  denk'  an  Euch:  und  frisch  ermannt  find'  ich  zum
Ungeheuren  selbst  die  Kraft!  Wie  sich  die  Venus  an  den
rauhen  Kriegsgott,  so  schmiegt  Ihr  Euch  an  mein  wildes
Wesen,  nachgebend  jedem  trotz'gen  Ungestüm!  Bei  Euch
nur  gelt'  ich,  weil  ich  bin,  nicht  weil  ich  handle  und
wie  ich  handle,  und  nimmer  wähnt  Ihr  in  des  eignen
Geistes  Macht  zu  fesseln  mir  die  ungestüme  Seele.  So
liebt  Ihr  mich  mit  allen  meinen  Knorr'n,  just  wie  der
Bergstrom  liebt  sein  Bette,  in  das  er  schäumend  querüber
Bahn  sich  brechend  sich  ergießt!
Nicht,  wollt  Ihr  selbstgeschaffene  Bahnen  ihm  bereiten, ­
  ihm  dämmend  feindlich  gegenübertreten  und
in  die  Regel  zwingen  seinen  Lauf.  Drum,  wie  der  Bergstrom ­
  liebt  sein  Bette,  so  lieb'  ich  Euch,  und  wo  der  jähe
Lauf  mich  hinträgt,  an  uralter  Eichen  hundertjähriger
            
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