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Ich war ein junger Mensch von zwanzig Jahren. Ich
hatte eben die Universität verlassen, wo ich Philosophie
studierte. Ich verstand nichts von Jurisprudenz. Nichts
hielt mich zurück!
Der Gräfin, welche nicht mehr wußte, was sie tun
sollte, und fliehen wollte, um sich gegen die vom Grafen
von neuem geplante Wegnahme ihres Kindes zu schützen,
sagte ich: Sie wissen sehr gut, daß Sie, wenn Sie den
Prozeß beginnen, von Ihren Verwandten im Stiche
gelassen werden, sie werden sich gegen Sie wenden,
wie man Ihnen das immer gesagt hat; aber Sie wissen
ebensogut, daß Sie von der Seite nichts als leere Worte
zu erhoffen haben. Wenn Sie also fest entschlossen sind,
entweder zu siegen oder zu sterben, so will ich Ihre
Angelegenheit in diese junge, aber starke Hand nehmen,
und ich schwöre Ihnen, für Sie zu kämpfen bis
zum Tode.
Sie hatte Vertrauen in ihr gutes Recht, in ihre und
meine Kräfte. Sie nahm meinen Vorschlag mit vollem
Herzen an.
Und ich, ein junger, machtloser Jude, erhob mich
gegen die furchtbarsten Mächte — ich allein gegen die
ganze Welt, gegen die Macht des Ranges und der ganzen
Aristokratie, gegen die Macht eines unbegrenzten Reich
tums, gegen die Negierung und gegen die Beamten
aller Art, welche stets die natürlichen Verbündeten von
Rang und Reichtum sind, gegen alle nur möglichen
Vorurteile.
Und jetzt, Sophie, begann ein Kampf, so schrecklich,
daß keine Feder eine Beschreibung zu liefern vermag;
ein Kampf, der meine erste Jugend verschlungen hat.