Full text: Festschrift für den 3. Internationalen Petroleumkongreß (Bukarest, September 1907)

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II. Buch. Der Güteraustausch. 
Marktpreise im Durchschnitt höher werden oder sinken \ diejenigen der letztem 
dagegen treten insofern zu Tage, als die Marktpreise gewisser Producte höher, 
diejenigen anderer hingegen niederer werden, je nachdem die Productionskosten 
oder die Nachfrage steigen bezw. fallen. Wenn wir die Bedeutung des Geldes 
besprechen, werden wir uns über diesen Gegenstand noch eingehender zu ver 
breiten haben. 
Die Existenz von Märkten und von Marktpreisen und der freie Mit 
bewerb haben nanthafte Vortheile im Gefolge. Das geschilderte Vorgehen der 
Käufer und der Verkäufer übt einen starken Einfluß in der Richtung aus, 
daß die verschiedenen Güter von denjenigen produeirt und geliefert werden, 
welche dieselben mit den niedrigsten Kosten Herstellen und zu den billigsten 
Preisen verkaufen, und daß die Konsumenten, für welche die betreffenden 
Güter den größten Werth haben, sich dieselben auch verschaffen können. 
Die richtige Schätzung der Functionen des Marktes ist von großer Be 
deutung, und man muß sich sowohl von einseitiger Feindschaft gegen die freie 
Concurren; wie von bedingungsloser Bewunderung derselben frei halten. Durch 
das Functioniren des Marktes und die sehr beträchtlichen Gewinne, welche sich 
kluge Unternehmer infolge desselben zu verschaffen wissen, wird den verständigen 
und umsichtigen Producenten ein angemessener Vortheil gesichert 2, während 
die Unfähigen dadurch benachtheiligt werden. Der Bestand von Märkten hat 
also in der Regel die Folge, daß die nationale Gütererzeugung auf die vor- 
theilhaftesten Bahnen gelenkt wird. 
1 Sie müssen wenigstens verhältnitzmäßig steigen oder sinken. Absolut können 
gewisse Preise auch beim Sinken des Geldwerthes herabgehen, z. B. wenn irgendwo 
billig erzeugte überseeische Producte infolge neuer Verbindungen zwischen gewissen 
Ländern plötzlich auf den Markt geworfen werden. Auch Fälle entgegengesetzter Natur 
können vorkommen. Wenn die Ernte gewisser seltenen Luxusartikel, z. B. die des 
Portweins, ungünstig ausfällt, so kann auch in Zeiten großer Geldknappheit eine ab' 
solute Preissteigerung derselben recht wohl eintreten. Dieselbe würde freilich noch 
augenscheinlicher sein, wenn das Geld im Ueberfluß vorhanden wäre. 
2 Man bedenke auch, in wie hohem Grade besonders ein ausgedehnter Geschäfts- 
verkehr mit dem Auslande eingehende Kenntniß der Sitten und Verhältnisse desselben 
bedingt. Ein erfolgreicher Handel in die Ferne setzt eine beträchtliche Bildung voraus. 
Je mehr aber die Völker, wenigstens die gebildeten und hoch civilisirten, einander kennen 
lernen, desto mehr werden sich die nationalen Vorurtheile abschleifen. Indem der 
Bestand internationaler Märkte eine internationale Bildung als nützlich erkennen läßt 
und daher zur Erwerbung einer solchen anspornt, ist er also auch ein nicht zu unter' 
schätzendes Förderungsmittel humaner Gesinnung und allgemeiner Friedenstendenzen- 
falls nicht eine antisociale, übertriebene Freihandelspolitik, welche weite Schichten des 
Volkes, achtungswerthe Producentenkreise und ihre Arbeiterschaft der ausländische 
Eoucurrenz wehrlos preisgibt, die guten Folgen eines ausgedehnten Verkehrs zwifche 
den Völkern wieder vereitelt.
	        
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