fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

90 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft, 
gungen des Preisbildungsproblems hergestellt sind. Zu dieser Forde- 
rung, daß der Preis mit den durchschnittlichen Produktionskosten über- 
einstimmen soll, muß man, wie gezeigt, die zweite Forderung hinzu- 
fügen, daß der niedrigste Preis, der diese Forderung erfüllt, gewählt 
werden soll. Für den hier betrachteten Spezialfall erhält also unser 
zweites supplementäres Prinzip der Preisbildung folgende Form: wenn 
die Kosten einer Veranstaltung fest sind, und also die Veranstaltung 
innerhalb gewisser Grenzen beliebig ausgenutzt werden kann, ohne daß 
dadurch die Kosten vermehrt werden, ist der Preis des einzelnen 
Dienstes nach dem niedrigsten Betrag zu berechnen, der einen den 
festen Gesamtkosten entsprechenden Gesamtertrag ergibt. Wir wollen 
dieses Prinzip, das wohl kein selbständiges Prinzip, sondern nur einen 
Spezialfall unseres zweiten supplementären Prinzips darstellt als das 
Prinzip der Preisbildung bei festen Gesamtkosten bezeichnen. 
Wie man findet, enthält dieses Prinzip zwei Forderungen, eine 
allgemeinere und eine speziellere. Nach der allgemeinen Forderung sollen 
die festen Gesamtkosten auf die wirklich in Anspruch genommenen 
Dienste gleichmäßig verteilt werden, d. h., der Preis des einzelnen 
Dienstes soll als die Quote zwischen den Gesamtkosten und dem Um- 
fang der in Anspruch genommenen Dienste berechnet werden. In den 
Fällen, wo dieser Umfang der Dienste als gegeben betrachtet werden 
kann, ist also der Preis des einzelnen Dienstes durch die allgemeine 
Forderung bestimmt. Dies kommt in der Tat innerhalb der produktiven 
Betriebe nicht selten vor. Die täglichen Kosten einer Rotationspresse 
einer großen Zeitung müssen z. B. auf die Zahl der täglich gedruckten 
Zeitungen verteilt werden. Diese Zahl kann von unserem gegenwärtigen 
Gesichtspunkt als gegeben betrachtet werden, d. h. sie beruht nicht 
auf den Druckkosten pro Exemplar, da eine Veränderung derselben 
kaum eine Veränderung des Preises der Zeitung veranlassen wird. Ist 
die Auflage der Zeitung groß, wird also der Anteil der täglichen Kosten 
der Presse, der auf das einzelne Exemplar fällt, entsprechend klein. 
In diesem Ergebnis tritt eine Seite der wirtschaftlichen Überlegen- 
heit des Großbetriebs zutage: der Großbetrieb besitzt eine größere 
Fähigkeit, diejenigen Produktionsmittel, die feste Kosten repräsentieren, 
auszunutzen, kann also für jeden speziellen Dienst dieser Produktions- 
mittel einen kleineren Preis berechnen. Die Berechnung des Preises des 
einzelnen Dienstes hat auch die Bedeutung, daß sie zeigt, ob die Be- 
schaffung eines besonderen, mehrerer Dienste fähigen Produktions- 
mittels, z. B. einer Rotationspresse von einem gewissen Typus, lohnend 
ist. Ist die Zahl der zu druckenden Zeitungen ziemlich klein, so werden 
die Druckkosten des einzelnen Exemplars einer großen Rotations- 
presse zu groß, es wird billiger, eine kleinere zu verwenden. Wenn 
dagegen eine große Zahl von Zeitungen gedruckt werden soll, werden 
die Druckkosten pro Exemplar bei Anwendung der großen Maschine
	        
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