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folgt aus dem Wesen, das Sollen wird aus
dem Sein erkannt! Nicht subjektive Wünsche des
Einzelnen, sondern die Erfordernisse der Sache sind es, aus
denen der Maßstab für das Vollkommene eines Wesens, für
Sollen und Wert entnommen werden muß. „Das Voll
kommene ist früher als das Unvollkommene", sagte schon
Aristoteles, — aber für diese uralte platonisch-aristotelische
Weisheit hat der krasse Empirist und Relativist Mar Weber
freilich keinen Sinn, selbst wenn er sich den Seitensprung
des Apriorismus in Cohenischer Form erlaubt.
Hiermit möge es an den methodologischen Bemerkungen
genug sein. Die Unterscheidung von „zweckrational" und „wert-
rational" (S. 12 f.) — deren UnHaltbarkeit allzulanger Dar
legungen erforderte — darf ich hier übergehen, da sie schon
aus anderen Schriften Webers bekannt ist.
2. Die wirtschastslehre.
In dem Abschnitte über „soziologische Grundkategorien des
Wirtschaftens" ist wenig Ursprüngliches enthalten. Der auf
S. 31 und S. 181 entwickelte Wirtschaftsbegriff ist im Grunde
jener Karl M e n g e r s. „ Wirtschaftlich orientiert soll
ein Handeln insoweit heißen, als es seinem gemeinten Sinne
nach an der Fürsorge für einen Begehr nach Nutzleistungen
orientiert ist 1 )." — Über den auf S. 32 gegen mich geltend ge
machten Einwand, Wirtschaft sei nicht „Mittel für Ziele",
sondern eine „Wahl zwischen Zwecken", kann ich hier hinweg
gehen, da ich ihn in meinem „Fundament der Volkswirtschafts
lehre" 2 ) zurückgewiesen und dort dargetan habe, daß die Wirt-
*) S. 31. — Menger sagte: Wirtschaft ist die „vorsorgliche Tätig
keit" für „Befriedigung der Bedürfnisse" („Grundsätze", 1871, S. 1;
„Untersuchungen", 1882, S. 232 u. ö.). Bei M. W. heißt es: Fürsorge
für „einen Begehr".
*) 3. Aufl., Jena 1923, S. 265 ff.