fullscreen: Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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eigens dafür angestellten Kräften Vorbehalten bleiben. Wollte 
man die Kammer auch damit beauftragen, so müßte sie schon 
eine erheblich größere Zahl von Mitgliedern haben, würde dadurch 
aber als Ganzes zu schwerfällig werden und der notwendigen Ein 
heitlichkeit entbehren. Auch läge die Gefahr einer Interessen 
kollision und einer absichtlichen oder unabsichtlichen Bevorzugung 
einzelner vor. 
Daß der Vorschlag, dem darniederliegenden Handel in der 
oben besprochenen Weise wieder in den Sattel zu helfen, in 
mancher Beziehung neu ist, darf nicht abschrecken. Man wird 
sagen, gerade der Handel müsse sich aus sich selbst entwickeln 
und dürfe nicht von außen gezwungen werden, sich irgend einem 
besonderen Gebiete zuzuwenden. Gerade der Bremer Kaufmann 
hat aber leider die in dieser Argumentation liegende Entschuldigung 
verwirkt. Die Kaufmannschaft agitiert lebhaft für eine weitere 
Ausgestaltung der Häfen, der Lösch- und Ladevorrichtungen. 
Darf aber der Staat als Vertreter der Allgemeinheit nach Lage 
der Sache vorläufig überhaupt noch Gelder dafür bewilligen? 
Wird man da nicht in breiten Massen der Steuerzahler sagen: »Wie 
kommt der Staat dazu, zugunsten eines Teiles des Staatskörpers 
dem Ganzen finanzielle Lasten aufzubürden, wenn dieser Teil, das 
ist der Großhandelsstand, seinen moralischen Verpflichtungen nicht 
nachkommt und sich auf die Bärenhaut legt? Dann soll der Groß 
handel die Einrichtungen, die er sich wünscht, doch aus eigener 
Tasche bezahlen!« Hier eben, wo und nachdem die Initiative der 
Einzelnen versagt hat, ist es Sache der Handelskammer als 
des Organs der Kaufmannschaft, in die Bresche zu springen, die 
einzelnen Glieder an ihre Pflicht zu mahnen und den Karren aus 
dem Sumpf herauszuziehen. Dies kann sie aber m. E. nur dann, 
wenn sie — vielleicht nicht als »Kammer«, sondern mehr in 
offiziell — in der angeregten Weise vorgeht und besonders die 
großen Schiffahrtsgesellschaften interessiert. 
Man wird vielleicht auch einwenden, Bremen gehe ja schon 
jetzt auf das gleiche Ziel los, allerdings sozusagen auf umgekehrtem 
Wege: dadurch, daß es der Industrie billiges Gelände zur Verfügung- 
steile und sie dadurch heranziehen wolle. Das ist schon richtig. 
Aber dieser Weg ist m. E. weiter und außerdem weniger sicher. 
Er ist auch mehr auf Ausfuhr, zum Nutzen der Industrie, als 
auf Einfuhr und auf das Gedeihen des Handels im allgemeinen 
zugeschnitten. Neben dem von mir angeregten Wege ist der 
vom Staate bereits ein geschlagene natürlich sehr gut und zweck
	        
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