Full text : Die Zucker-Industrie auf Cuba

14

105

das  Bedürfniß  Herausstellen,  in  gewissem  Umfange  mancherlei  selbst  zu
erzeugen,  was  jetzt  vom  Auslande  bezogen  wird,  ohne  daß  die  Insel  gerade
ein  Mittelpunkt  großartiger  Fabrikthätigkeit  zii  werden  brauchte.
Ohnehin  hat  die  Erfahrung  der  letzten  Jahre  bewiesen,  daß  es  au
Erzeugnissen  des  Bergbaues  nicht  fehlt,  welche  eine  weitere  Verarbeitung
verlangen  und  belohnen.  Sind  die  Eisenerze  von  San  Jago  werth,  nach
Amerika  verschifft  zu  werden,  so  liegt  es  nahe,  an  ihre  Verarbeitung  im
Lande  selbst  zu  denken.  Vermehrter  Eisenbahnbau  und  vermehrte  Fabrikthätigkeit ­
  werden  dazu  wohl  Anregung  genug  geben.
Mit  dem  Holzreichthum  der  Insel  ist  man  früher  verschwenderisch
genug  umgegangen.  Indessen  scheint  das  Innere  immer  noch  ansehnliche
Mengen  von  Cedern,  Mahagoni  u.  dergl.  liefern  zu  können.  Wenn  bessere
Wege  und  bessere  sonstige  Einrichtungen  ein  systematisches  Ausbeuten  der
Holzbestände  ermöglichen,  dürfte  auch  die  Frage  aufgeworfen  werden,  ob
es  nicht  vortheilhaft  sei,  statt  der  rohen  oder  roh  vorgearbeiteten  Stäinme
lieber  Halbfabrikate  zu  liefern,  welche  bessere  Preise  bringen  und  die  Fracht
leichter  tragen.
Die  vorstehenden  Bemerkungen  haben  nicht  den  Ztveck,  die  Zukunft
der  Insel  vorauszusagen.  Für  derartige  Weissagungen  reicht  die  Kenntniß
des  Landes  nicht  aus.  Sie  sollen  vielmehr  nur  einer  Vorstellung  begegnen,
welche  sich  vielleicht  hier  und  da  eingefnnden  oder  eingebürgert  hat:  nämlich
der,  daß  Cuba  nur  für  die  Zucker-Industrie  sich  eigne  und  mit  deren  Gedeihen ­
  stehe  oder  falle.  Gewiß  ivird  Cuba  immer  Zucker  erzeugen  und  mit
diesem  Erzeugnisse  eine  Rolle  auf  dem  Weltmärkte  spielen.  Allein  es  hat
uicht  nöthig,  zu  seiner  Erhaltung  einen  Verzweifluitgskampf  einzugehen,
bei  dem  es  um  jeden  Preis  produzirte,  selbst  wenn  es  dabei  keinen  Nutzen
behielte.  Zur  Zeit  befindet  es  sich  in  einem  Uebergangsstadium.  Hoffentlich ­
  belehren  genauere  und  zuverlässige  Nachrichten  über  die  dortigen  Zustände
  so,  daß  sich  ein  zutreffendes  Urtheil  über  die  Zukunft  fassen  läßt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.