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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
da machte der Bauer ein verdutztes und dummes Gesicht, bevor
er‘ verhungerte.
Man darf sich allerdings nicht nur auf die amtlichen Stellen
verlassen. Diese können auch nur fördernd und unterstützend
eingreifen; die Hauptarbeit muß doch von den Hotelbesitzern,
von den Verkehrsstädten, Kur- und Badeorten geleistet werden.
Ringsum stehen scharfe Konkurrenten, bereit, das Nachbar-
land vom internationalen Fremdenverkehr abzuschnüren;
bereit, die ins Ausland drängenden, wohlhabenden Kreise des
eigenen Landes mit offenen Armen zu empfangen. Frankreich
hatte das Budget seines „Office national du tourisme‘ (Offi-
ziellen Verkehrsbureaus) für das Jahr 1925 auf rund vier
Millionen Franken festgesetzt; die Schweizer Verkehrszentrale
bezifferte ihr Budget für 1927 auf den für dieses kleine Land
bedeutenden Betrag von 541,600 Frs.; Italien überläßt seiner
„Enit“ gewisse, nicht unbedeutende Steuereinnahmen aus
dem Fremdenverkehr und gewährt ausländischen Reisenden
bedeutende Nachlässe bei ihren Eisenbahnfahrten; Österreich,
Jugoslawien, Holland, die Tschechoslowakei, Spanien, Un-
garn, Belgien und die nordischen Staaten geben sich die
größte Mühe, den internationalen Touristenstrom einzufangen.
Ja sogar England, das seither die Welt mit Vergnügungs-
reisenden überschwemmte, macht schon seit längerer Zeit
Anstrengungen, die eigenen Bürger im Lande zu halten und
fremde Touristen anzulocken. Es gibt in England eine Organi-
sation, „Come to Britain“ — Kommt nach Großbritannien —
betitelt, deren Ziel schon der Name verkörpert. Bezeichnend
dabei ist, daß eine solche Vereinigung in dem reiselustigsten
Lande der Erde möglich werden konnte. Ende 1926 sind im
Schoße dreier großer britischer Berufsorganisationen: der
Incorporated Association of Hotels and Restaurants, der Resi-
dential Hotels und der Caterers’ Association, ernste Beratungen
über die Errichtung eines „Hotel-Information Bureaus‘“ in
London gepflogen worden, das ähnlichen Zwecken wie „Come
to Britain‘ dienen soll.
Und die Vereinigten Staaten von Nordamerika? Auf deren
wertvolle Dollars man überall in Europa hofft! Gegen Ende des
Jahres 1926 wurde bekannt, daß die neugegründete American
Travel Development Association, die nationale Organisation
zur Förderung des Fremdenverkehrs in Amerika, beschlossen
habe, einen Propagandafonds von nicht weniger als 5 Millionen