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Der Straßenbau.
alte französische Bauweise in Betracht, welche in Abb. 28 veranschaulicht ist.MHierbei
wurden auf einer Unterlage von großen flachen Steinen kleine zerschlagene Steine und
auf diese zerschlagene Kiesel aufgebracht. Die letzte Lage wurde an der Oberfläche ge
wölbt, damit das Wasser abfließen konnte. n Die Breite der Fahrbahn betrug etwa 5 in.
Ähnlicher Bauart waren die Straßen in Österreich und Preußen. Die aufkommenden
„Wegeordnungen, Straßen- und Wegereglcments" beschäftigten sich jedoch in der Haupt
sache mit der Breitenbestimmung und mit der Freihaltung der Wege von Bäumen und
Gebüsch, sowie mit den
Forderungen von Seiten
gräben und Durchlässen.
Was dem Straßen
bau hauptsächlich mangelte,
war eine rationelle Her
stellungsweise. Neben den
französischen Ingenieuren
ist in erster Linie dem
berühmten englischen In
genieur Telford die Lö
sung dieserAufgabe zudan
ken. Derselbelegte 1200iriu
Hauptwege an und baute
über 1200 Brücken, von
denen viele allerdings un
bedeutend sind, unter wel
chen sich jedoch auch sehr
bedeutende Werke, wie die
Menai- und Cornway-
brücke befinden. Namentlich
für Schottland erwiesen sich
die Telfordschen Bauten
von weittragendem Einfluß
und hatten eine vollständige
Veränderung des schotti
schen Lebens im Gefolge.
Die einzigen wirklichen bis
dahin im Lande vorhanden
gewesenen Straßen waren
in den Jahren 1715 und
1745 von Soldaten her
gestellt worden. Dieselben
wurden im allgemeinen
wenig benutzt, denn die
Hochländer waren stolz da
rauf, Fischer, Jäger oder
29. Kolysbriickr iiblr die zutmla «m Kchynpatz. Viehdiebe zu fein, und
dankten Gott dafür, daß
in ihren Adern kein Tropfen von dem Blute der Marschbewohner floß, sie benutzten
lieber die alten sogenannten Cattie tracks längs der Berge. In Diese Lebensweise griffen
Telsords große Straßenbauten mächtig ein. Bei ihrer Ausführung lernten die Leute
arbeiten und gute Werkzeuge gebrauchen, Werkzeuge, von deren Vorhandensein sie bisher
keine Ahnung gehabt hatten. Der zuletzt erwähnte günstige Einfluß der Ausführung großer
Jngenienrwerke läßt sich in vielen Fällen nachweisen und darf nicht unterschätzt werden.
Der englische Straßenbau erfuhr in unserem Jahrhundert durch Mac Adam (1820)
eine weitere Förderung. Nach diesem schottischen Ingenieur haben die makadamisierten