102 VH. Die Gemeinde und der Kultus.
Das dritte Konzil fand statt zu Pätaliputra 245 vor Chr.,
im 18. Regierungsjahre des Königs Asoka Priyadarsin. Asoka
hatte den Buddhismus zur Staatskirche erhoben, ohne, wie wir
gesehen haben, anderen Religionen und Sekten feindlich gegenüber
zu treten. Er hatte im 13. Jahre seiner Regierung eine eigene
Behörde, dieOllarinainalläinätras, „Kultnsbeamte", geschaffen,
die die Ordnung und Zucht im Reiche aufrecht erhalten sollten,
soweit die Religion dabei in Betracht kam. über sie spricht er
ausführlich im fünften seiner Edikte. Seine große Freigebigkeit
gegen den Klerus veranlaßte sehr viele in den geistlichen Stand
zu treten. So sollen damals viele schlechte Elemente, auch Ketzer-
aller Art in die buddhistischen Klöster eingedrungen sein, was um
so leichter war, als es ja damals schon zahlreiche Sekten gab, so
daß mancher sich für einen Buddhisten ausgeben konnte, der es
gar nicht war. In den Klöstern war allmählich eine so große
Unordnung entstanden, daß sieben Jahre lang die wichtigsten
Vorschriften der Disziplin nicht beachtet, ja nicht einmal die
Upavasatüa-Beichten von den Mönchen abgehalten wurden. Ver
geblich versuchte der Abt des Hauptklosters Tisya Maudgali-
putra (Pali Tissa Moggaliputta), der angesehenste Priester
des Landes, die Dinge zu ändern. Als er sah, daß alle seine Be
mühungen fruchtlos waren, zog er sich in die Einsamkeit jenseits
des Ganges zurück. Das kam Asoka zu Ohren, und er beschloß
einzuschreiten. Er schickte einen seiner Minister nach dem Haupt
kloster, dem von ihm erbauten und nach ihm benannten Asokä-
räma, mit dem Befehle, die Mönche sollten den Upavasafcha ab
halten. Die Mönche aber weigerten sich, dies zusammen niit den
Ketzern zu tun. Über die Weigerung erzürnt, zog der Minister
sein Schwert und schlug den Ältesten der Reihe nach den Kopf
ab. Er hörte erst auf, als sich Tisya, der Stiefbruder des Königs,
der Mönch geworden war, an die Stelle des zuletzt Enthaupteten
setzte. Ihn wagte der Minister nicht anzurühren. Er kehrte zu
Asoka zurück und erstattete ihm Bericht. Asoka war natürlich
untröstlich. Er eilte sofort ins Kloster und, um von den Folgen
der Untat befreit zu werden, wandte er sich auf Rat der Mönche
an Naudgaliputra, der aber erst nach langem Bitten sich bereit
fand, zurückzukehren. Am siebenten Tage begaben sich Asoka und
Maudgaliputra in den Asokäräma, wohin eine allgemeine Zu
sammenkunft der Geistlichen ausgeschrieben war. Jeder einzelne
wurde vorgerufen und von Maudgaliputra befragt, was die Lehre-