Full text : Leben und Lehre des Buddha

110  VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

Mönche  werden,  um  sich  dem  Militärdienst  zu  entziehen,  andere,
um  der  Strafe  für  einen  Diebstahl  zu  entgehen,  andere  wegen
Schulden,  andere,  weil  sie  mittellos  sind  und  bequemer  leben
wollen.  Das  geschieht  noch  heute  in  südlichen  Ländern  und  kam
schon  in  ältester  Zeit  vor,  wie  das  Beispiel  des  Upäli  (S.  107)
zeigt.  Macht  heute  ein  Mönch  eine  unerwartete  Erbschaft  oder
verliebt  er  sich,  so  scheidet  er  im  Süden  nach  Belieben  aus;  niemand ­
  hält  ihn.  Im  Norden  ist  der  Austritt  nach  der  dritten
Weihe  nicht  mehr  gestattet.
Mit  dem  Eintritt  in  den  Orden  wird  die  Ehe  gelöst.  Die
Frau  ist  für  den  Mönch  nur  noch  die  frühere  Frau.  Ebenso  gibt
der  Mönch  jedes  Privateigentum  auf  und  erwirbt  fortan  nichts
mehr  für  sich  allein.  Besonders  streng  verboten  war  die  Annahme
von  Geld.  Ein  Mönch,  der  doch  einmal  Geld  annahm  und  dies
bereute,  mußte  das  Geld  in  einer  Versammlung  des  Ordens  abliefern. ­
  Es  wurde  einem  Klosterdiener  oder  Laien  übergeben,
damit  er  Butter  oder  Öl  oder  Honig  für  die  Gemeinde  kaufe.
Von  den  gekauften  Gegenständen  erhielt  der  Sünder  nichts.
Weigerte  sich  der  Laie,  das  Geld  zu  nehmen,  so  wurde  er  gebeten,
es  wegzuwerfen,  und  wenn  er  auch  dies  nicht  tun  wollte,  so  wurde
ein  zuverlässiger  Mönch  als  „Geldverwerfer"  bestimmt,  der  das
Geld  vergrub,  ohne  ein  sichtbares  Zeichen  an  der  Stelle  zu  lassen.
Daß  auch  dieses  Verbot  von  den  Mönchen  übertreten  wurde,  zeigt
das  Konzil  von  Vaisäli  (S.  100ff.).  Seit  den  Zeiten  von  Asoka
Priyadarsin  nahm  die  Geistlichkeit  sehr  gern  Gold  an.  Die  jüngere
Tradition  erzählt,  wie  gewöhnlich  mit  großer  Übertreibung,  daß
Asoka  dreimal  sein  Reich,  seine  Frauen  und  Kinder  und  sich  selbst
der  Kirche  schenkte  und  dann  alles  mit  Gold  und  Edelsteinen  aus
seiner  Schatzkammer  zurückkaufte.  Die  chinesischen  Pilger  Fa  Hian
und  Huan  Thsang  berichten,  daß  zu  ihrer  Zeit  bei  den  großen
fünfjährigen  Versammlungen  Gold  und  Silber  den  Mönchen  in
Fülle  gegeben  wurde.  In  vielen  buddhistischen  Klöstern  wurden
zur  Zeit  des  Huan  Thsang  die  dort  aufbewahrten  Reliquien  den
Gläubigen  nur  gegen  Entrichtung  einer  bestimmten  Geldsumme
gezeigt.  Heute  nimmt  jeder  Geistliche  unbedenklich  Geld,  höchstens
bedeckt  er  seine  Hand  mit  einem  Tuche  oder  zieht  Handschuhe  an.
So  reich  die  Klöster  in  Ceylon  und  Hinterindien  auch  sind,  so
hat  sich  dort  die  alte  Sitte  des  Bettelganges  doch  noch  erhalten.
Der  Mönch  geht  täglich  aus,  um  seine  Nahrung  zu  erbetteln.
Im  Norden,  namentlich  in  Tibet  und  der  Mongolei,  geschieht
            
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