Kleidung der Mönche.
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dies nur ganz ausnahmsweise noch von herabgekommenen Lamen,
meist fremden oder besonders habsüchtigen, die dann hoch zu Roß
und von vielen Schülern begleitet im Lande umherziehen und
unter allerlei frommen Vorwänden von den Laien Geld und
Vieh eintreiben.
Die alte Gemeinde hatte ganz bestimmte, strenge Vorschriften
über Kleidung und Nahrung. Der Mönch durfte nur einen An
zug haben, der aus drei Kleidern und einem Gürtel bestand. Die
Kleider waren 1. ein Unterkleid, eine Art Weste, die als Hemd
diente, also auf dem bloßen Leibe getragen wurde, 2. das eigent
liche Mönchsgewand, eine Art Kittel, der bis aus die Knie reichte
und mit einem Gürtel um die Hüften befestigt wurde, 3. der
Überwurf, eine Art Mantel, der die Beine bedeckte und über die
linke Schulter geschlagen wurde, so daß die rechte Schulter und
ein Teil der Brust frei blieb. Man trug ihn auch über beide
Schultern. Die alte Farbe der Gewänder war die gelbe. Sie ist
es noch heute im südlichen Buddhismus. Bei den Lamas dagegen
ist der Mantel stets rot, und bei der Sekte der Rotmützen sind
alle Gewänder karmesinrot oder violett. In China tragen die
Foisten nicht selten graue Kleider. Die Spaltung in Sekten und
das verschiedene Klima hat nicht bloß in der Farbe, sondern auch
in der ganzen Art der Kleidung in den einzelnen Ländern große
Unterschiede hervorgerufen. In Ladakh z. B. tragen die niederen
Geistlichen der Kälte wegen Hosen. Die Lamen haben in Tibet
und der Mongolei mehrere Unterkleider und bei Prozessionen und
Hochämtern tragen sie weite, wallende Meßgewänder. In der
südlichen Kirche gehen die Priester in der Regel barfuß und stets
mit unbedecktem Kopfe. In der nördlichen dagegen tragen sie
Schuhe oder Halbstiefeln, und hier spielt die Mütze eine große
Rolle, da an ihr die Rangunterschiede der Geistlichen zu er
kennen sind.
Bon der Gemeinde wurde je ein Mönch bestimmt, der die
Kleider, die die Laien als Geschenk brachten, in Empfang nahm,
sie aufbewahrte und verteilte. Bei der Verteilung entschied das
Los. Starb ein Mönch, so erbte Kleider und Betteltopf sein Pfleger.
Hatte er sonst noch geringen Besitz, so wurde dieser unter die Ge
meinde des Ortes verteilt; war der Besitz groß, so wurde er
Eigentum der Gesamtkirche oder, wie der offizielle Ausdruck ist,
„der Gemeinde der Anwesenden und Abwesenden in allen vier
Weltgegenden."