Full text: Leben und Lehre des Buddha

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I. Einleitung. 
der Mongolei und in den Ländern am Abhange des Himalaya, 
besonders Nepal, Bhutan, Sikkim. Die Zahl der südlichen Bud 
dhisten wird auf 31 Millionen angegeben, die der nördlichen auf 
479 Millionen. Zusammen bekennen sich also etwa 510 Millionen 
Menschen zum Buddhismus, denen etwa 327 Millionen Christen 
gegenüberstehen. Ganz sicher ist aber die Schätzung nicht, da 
namentlich für China und Tibet die Angaben unsicher sind. 
Der Kanon der Buddhisten führt den Namen Tripitaka, 
Pali Tipitaka, der „Dreikorb". „Korb" (pitaka) ist ein bild 
licher Ausdruck für Sammlung. Die drei Sammlungen, aus 
denen das südliche Tipitaka besteht, führen die Namen Vina^a- 
pitaka, „Korb der Disziplin", Suttapitaka, „Korb der Pre 
digten", und ä.bkidllamruapitaka, das man etwa durch „Korb 
der Nebenlehre" wiedergeben kann. Jede dieser drei Sammlungen 
zerfällt wieder in eine Anzahl Unterabteilungen. Die Sprache 
dieses Kanons ist das kalt, ein jüngerer Schwesterdialekt des 
Sanskrit, der wahrscheinlich im westlichen Indien gesprochen wurde. 
Die südlichen Buddhisten identifizieren das Pali irrtümlicherweise 
mit der alten Mägadhi und nehmen an, daß das ganze Tipitaka 
in seiner heutigen Gestalt bereits unmittelbar nach Buddhas Tode 
festgestellt wurde. Diese Annahme widerspricht direkt der alten 
Überlieferung, nach der, wie erwähnt, auf dem Konzile zu Eajagpha 
nur das Gesetz und die Disziplin festgestellt wurden. Wie an der 
Bibel, so haben auch an dem Kanon der südlichen Buddhisten, 
dem Pali-Kanon, viele Jahrhunderte gearbeitet. Das Abhidham- 
mapitaka ist zweifellos der jüngste Bestandteil des Kanons. Es 
enthält nichts wesentlich Neues, sondern ist im ganzen nur eine 
Wiederholung des Inhalts des Suttapitaka, aber in noch viel 
schematischerer Gestalt. Die Tradition selbst läßt keinen Zweifel 
darüber, daß Werke viel jüngerer Zeit in ihm Aufnahme gefunden 
haben. Das Kathävatthu, das in ihm steht und 250 irrige 
Ansichten verschiedener Schulen bekämpft, wurde nach der Über 
lieferung von Tisya Maudgaliputra um die Mitte des 
3. Jahrhunderts vor Chr. am Hofe des Asoka in Pätaliputra 
verfaßt und auf dem dritten Konzile verkündigt. So fand also 
ein ganz scholastisch geschriebenes Werk eines allgemein bekannten 
Verfassers Aufnahme in diesen Teil des Kanons. Es steht jetzt 
fest, daß der Pali-Kanon nur der Kanon einer Sekte ist, der Sekte 
der Vibhaj javädins, einer Schule der orthodoxen Partei des 
Buddhismus. Seine schriftliche Aufzeichnung erfolgte erst im
	        
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