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III. Das Leben des Buddha.
Hand von Mara zwölf Meilen, über ihm neun Meilen und hinter
ihm bis zum äußersten Horizont ausdehnte. Das Heer wird aus
führlich geschildert; es war furchtbar bewaffnet und so schauder
haft, daß alle Götter flüchteten. Zum Angriff schickte Nüra wütende
Stürme, eine Sintflut, einen Regen von Steinen, von Schwertern,
Messern, Spießen, von heißer Asche usw. Alles umsonst. Die
Steine wurden zu Blumenkränzen, die Asche zu Sandelpulver usw.
Ebenso sind alle Angriffe des Heeres umsonst. Buddha weist sie ab,
und Mära flieht mit seinem Heere. Der Angriff ist oft abgebildet
worden. Da Nära mit Gewalt nichts ausrichten konnte, griff er
zur Versuchung. Er schickte seine drei Töchter ab, um Buddha zu
verführen. Aber Buddha achtete nicht auf das, was sie sagten, sah
sie gar nicht an und blieb in beschauliche Betrachtung versunken.
Da gingen die Mädchen enttäuscht zu ihrem Vater zurück.
Überblickt man nun diese verschiedenen Versuchungsgeschichten, so
tritt die Ähnlichkeit mit der Versuchungsgeschichte Jesu hervor, aber
auch der Unterschied. Als gemeinsam bleibt das Anerbieten der Welt
herrschaft und die Aufforderung zum Essen. Alles andere, der
buddhistischen Fassung eigene, fehlt der biblischen Erzählung. Ist
nun Entlehnung anzunehmen? Sehdel bejaht diese Frage un
bedingt, und die Versuchungsgeschichte ist einer seiner Hauptbeweise.
Auch van den Bergh, der noch eine Reihe kleinerer, gemein
samer Züge hervorhebt, ist geneigt, indischen Einfluß anzunehmen,
namentlich wegen des Anbietens der Weltherrschaft, die für Jesus
kein Gegenstand der Versuchung sein konnte. Windisch und Olden -
berg dagegen lehnen jeden Zusammenhang ab und sehen in den
Geschichten selbständige Parallelen. Das scheint auch mir wahr
scheinlicher. Die beiden Züge, in denen sich die buddhistische und
die christliche Erzählung berühren, erklären sich ungezwungen aus
der gleichen Lage, in der sich beide Religionsstifter befinden. Beide
bereiten sich in der Einsamkeit auf ihren Lehrerberuf vor und beide
glauben das Ziel am besten erreichen zu können durch Kasteiungen
und Fasten. Christus lehrte: „Mein Reich ist nicht von dieser
Welt" und im Dhammapada heißt es: „Besser als die Allein
herrschaft über die Erde, besser als die Herrschaft über alle Welten,
ist der erste Schritt zur Heiligkeit." Beide Religionen kennen ein
böses Prinzip, das sie sich verkörpert als Teufel denken. Was liegt
näher, als daß man dem Hungernden durch den Teufel Nahrung
anbieten, dem die Welt Verachtenden die Herrschaft über die Welt
antragen läßt? Das ist so durchaus natürlich und menschlich, daß