Full text : Leben und Lehre des Buddha

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V.  Buddhas  Lehrweise.

Eischale  zu  zerbrechen  und  glücklich  herauszukommen,  ebenso,  ihr
Mönche,  ist  ein  Mönch,  der  die  fünfzehn  Teile  des  eifrigen  Strebens
  (nach  der  Erlösung)  besitzt,  fähig  zum  Durchdringen,  fähig
zur  Erleuchtung,  fähig  zur  Erlangung  des  höchsten  Heils."
Buddha  schrickt  auch  vor  sehr  kühnen  Vergleichen  nicht  zurück:
„Wie  wenn,  ihr  Mönche,  ein  Mann  eine  einlochige  Reuse  in  das
Meer  würfe,  und  diese  der  Ostwind  nach  Westen,  der  Westwind
nach  Osten,  der  Nordwind  nach  Süden,  der  Südwind  nach  Norden
zusammenballte;  dort  wäre  eine  einäugige  Schildkröte  und  diese
tauchte  nach  Verlauf  von  hundert  Jahren  einmal  in  die  Höhe.
Was  meint  ihr  wohl,  o  Mönche?  Würde  diese  einäugige  Schildkröte ­
  in  jene  einlochige  Reuse  ihren  Hals  stecken?"  „Wenn  überhaupt, ­
  o  Herr,  dann  doch  nur  nach  Ablauf  einer  langen  Zeit."
„Eher  noch  wird,  ihr  Mönche,  die  einäugige  Schildkröte  in  jene
einlochige  Reuse  den  Hals  stecken,  als  daß  ein  Tor,  so  sage  ich,
ihr  Mönche,  der  in  die  vier  Zustände  der  Pein  gekommen  ist 1 ),
wieder  Mensch  wird."
Die  Gleichnisse  sind  reich  an  feinen  Beobachtungen  des  menschlichen ­
  Lebens  und  der  Natur  und  für  uns  sehr  wertvoll  wegen
der  vielen  Aufschlüsse,  die  sie  uns  über  indische  Sitten  und  Gebräuche ­
  geben.  Nicht  selten  werden  uns  die  Gedanken  Buddhas
in  der  Form  eines  Dialoges  vorgetragen.
Bei  Bekehrungsgeschichten  pflegt  Buddha  allein  ausführlich  zu
sprechen,  und  der  Angeredete  am  Schlüsse  nur  mit  wenigen  Worten
sich  zustimmend  zu  äußern.  Neben  den  Gleichnissen  trug  Buddha
sehr  oft  auch  zur  Erläuterung  Geschichten  aus  alter  Zeit,  Fabeln
und  Märchen  vor.  Er  kam  damit  einer  Neigung  des  indischen
Volkes  entgegen.  Schon  sehr  früh  sind  einige  dieser  Geschichten
so  gewendet  worden,  daß  Buddha  selbst  in  einer  früheren  Geburt
als  Bodhisattva,  d.  h.  als  ein  Wesen,  das  bestimmt  ist,  einst  ein
Buddha  zu  werden,  der  Held  der  Erzählung  ist,  die  übrigen
handelnden  Personen  oder  Tiere  aber  seine  Freunde,  Gefährten,
Jünger  oder  Gegner  sind.  Nach  diesen  Mustern  sind  später  eine  große
Anzahl  alter  Geschichten  umgewandelt,  sehr  viele  neue  hinzuerfundeu
  worden.  Diese  Art  Erzählungen  führt  den  Namen
Jätaka,  „Vorgeburtsgeschichten".  Sie  sind  gesammelt  in  einem
eigenen  Werke  gleichen  Namens.  Die  alte  Zahl  dieser  Jatakas  ist
1)  Der  Buddhismus  nimmt  vier  Zustände  (apäya)  au,  in  die  der
Sünder  nach  dem  Tode  geraten  kann:  Hölle,  Geburt  als  Tier,  Gespenst,
Dämon.
            
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