Full text: Leben und Lehre des Buddha

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VI. Die Lehre des Buddha. 
edle Jünger die richtige Erkenntnis, dann ist seine Erkenntnis 
wahrhaft; er glaubt an die Lehre, er gehört der guten Lehre an." 
Die Vierteilung ist, worauf Kern hingewiesen hat, dem Systeme 
der Medizin entnommen, dem schon der Laipüb^a-Voga gefolgt 
war. Sie entspricht den vier Stufen der Mediziner: Krankheit, 
Gesundheit, Ursache der Krankheit, Heilung, und den vier Stufen 
des Yoga: das zu Vermeidende, das Vermeiden, die Ursache des 
zu Vermeidenden und das Mittel zum Vermeiden. Auch im ein 
zelnen ist, wie wir sehen werden, Buddha über seine Lehrer nicht 
hinausgekommen. Ihm eigen ist allein die Fassung der vier Wahr 
heiten. 
Von der ersten Wahrheit sagt die Predigt von Benares: „Dies, 
ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden, 
Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, Vereinigung 
mit Unliebem ist Leiden, Trennung von Liebem ist Leiden, Ge 
wünschtes nicht erlangen ist Leiden, kurz, die fünf Elemente, die 
das Hasten am Dasein bewirken*), sind Leiden." 
Schon durch diese erste edle Wahrheit erweist sich der Buddhis 
mus als Pessimismus. Und in der Tat gibt es keine andere Re 
ligion der Erde, die auf so pessimistischer Grundlage aufgebaut 
ist, und deren Bekenner von der Nichtigkeit und Elendigkeit dieses 
Daseins so tief durchdrungen sind, wie der Buddhismus. Keine 
wahre Religion ist denkbar ohne einen Tropfen Pessimismus. 
Aber keine hat es mit so unverhüllter Rücksichtslosigkeit ausge 
sprochen, daß diese Erde ein Jammertal ist, wie der Buddhismus. 
Was Schopenhauer sagt, daß an unserer rätselhaften Existenz 
nichts klar ist als ihr Elend und ihre Nichtigkeit, ist auch die An 
sicht des Buddha. Aber Buddha ist auch hier nicht originell. Er 
hat nur zur Religion gemacht, was vor ihm seine Lehrer als 
Philosophie vorgetragen hatten. Kapila sagt: „Nirgends ist irgend 
jemand glücklich", und: „Die gänzliche Beseitigung des dreifachen 
Leidens ist das Endziel (der Seele)", und Patafijali; „Für den 
Verständigen ist alles Leid". Buddha hat bewirkt, daß diese Wahr 
heit nicht bloß „der Verständige" erkannte. Er hat sie ins Volk 
hinausgetragen. Die Nichtigkeit aller Dinge wird in den bud 
dhistischen Schriften in den stärksten Farben gemalt. Im Dhamma- 
pada heißt es: „Aus Freude wird Leid geboren, aus Freude wird 
Furcht geboren. Wer von Freude erlöst ist, für den gibt es kein 
1) Das sind die fünf Skandhas, von denen später die Rede sein wird.
	        
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