Full text: Leben und Lehre des Buddha

Die vier edlen Wahrheiten. 
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Leid; woher käme ihm Furcht? Aus Liebe wird Leid geboren, 
aus Liebe wird Furcht geboren. Wer von der Liebe erlöst ist, für 
den gibt es kein Leid; woher käme ihm Furcht?" Immer von 
neuem wird eingeschärft, daß der Tod allen Freuden ein Ende 
macht, und daß niemand ihm entrinnen kann. „Nicht im Luft 
raum, nicht in des Meeres Mitte, nicht wenn du in Felsenhöhlen 
eindringst, findest du auf Erden eine Stätte, wo dich der Tod 
nicht überwältigt." Derartige Aussprüche sind unzählbar. Durch 
die Vergänglichkeit der Dinge wollte Buddha vor allem ihre Wert- 
und Nutzlosigkeit beweisen. 
Die zweite edle Wahrheit handelt von der Entstehung des Lei 
dens. Die Predigt von Benares sagt darüber: „Dies, ihr Mönche, 
ist die edle Warheit von der Entstehung des Leidens: Es ist dieser 
Durst, der die Wiedergeburt bewirkt, der von Freude und Ver 
langen begleitet ist, der hier und dort seine Freude findet, wie 
der Durst nach Lüsten, der Durst nach (ewigem) Leben, der Durst 
nach (ewigem) Tode." Unter „Durst" (llftsyä, Pali Tanha) ver 
steht Buddha die Lebenslust, den Willen zum Leben, die Bejahung 
des Willens zum Leben. Im SuttanipZta heißt es: „Alles Leid, 
das entsteht, kommt aus dem Durste, aber durch völlige Vernich 
tung des Durstes, durch Freisein von Leidenschaft, kann kein Leid 
entstehen. Ein Mann, der von Durst begleitet, lange auf den 
Wegen der Seelenwanderung umherirrt, wird von der Seelen 
wanderung nicht befreit". Und das Dhammapada sagt: „Wen in 
der Welt dieser schlimme Durst bewältigt, der giftige, dessen Leid 
wächst, wie das wuchernde Liraya-Gras. Wer in der Welt den 
schlimmen Durst bezwingt, den schwer zu bewältigenden, von dem 
fällt das Leid ab, wie ein Wassertropfen von einem Lotosblatt. 
Wie ein Baum, auch wenn er gefällt ist, wieder wächst, wenn 
seine Wurzel unverletzt ist, so kehrt auch das Leiden immer von 
neuem wieder, wenn nicht der Durst und das Verlangen ver 
nichtet sind. Menschen, von Durst getrieben, rennen umher wie 
ein Hase in Schlingen. In Fesseln und Banden geschlagen, er 
dulden sie lange Zeit Leid, wieder und wieder. Der Tor vernichtet 
sich durch seinen Durst nach Vergnügungen, als wenn er sein 
eigener Feind wäre." 
Dem Volke gegenüber genügte es, die Tatsache festzustellen, 
daß der Durst vorhanden und die Ursache des Leidens sei. Das 
ließ sich ja leicht an Beispielen des täglichen Lebens zeigen. Dem 
Eingeweihten aber mußten sich notwendig die Fragen aufdrängen:
	        
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