Die Formel vom Kausalnexus.
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In dieser negativen Fassung ist die Formel im Grunde nichts
weiter als eine Ausführung der dritten der vier edlen Wahrheiten,
der Wahrheit von der Aufhebung des Leidens. Die Predigt von
Benares sagt darüber: „Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit
von der Aufhebung des Leidens: Es ist das völlige Freisein von
diesein Durste, sein Aufgeben, Fahrenlassen, Ablegen, Verbannen."
Die Formel erklärt somit zugleich auch die dritte Wahrheit.
Wie ist nun aber die Formel selbst zu verstehen? Die Frage
ist jetzt leichter zu beantworten als früher, seit wir wissen, daß
der theoretische Buddhismus ganz aus dem Sämkhya-Yoga beruht.
Das Wort der Formel, das ich mit „latente Eindrücke"
übersetzt habe, Sanskrit 8aip8karäl>, Pali 8aükdärä, ist sehr
schwierig zu verstehen, und die Übersetzung nur ein Notbehelf.
Man hat es mit „Gestaltungen" übersetzt, oder mit „Strebungen",
„Unterscheidungen", „Verdienst und Verschuldung", „Residuum".
Die letzte Übersetzung kommt der Wahrheit am nächsten. 8aip8kara
bedeutet wörtlich „Zubereitung", „Zurüstung", „Bearbeitung";
dann in passivem Sinne „das Zubereitete", „Bearbeitete", „Gemachte",
„die Form". In weiterem Sinne ist es dann der Ausdruck
für die Summe aller Formen, die Materie, für alles, was
existiert. Es wird aber auch vom Geiste gebraucht, und entsprechend
seiner Grundbedeutung „Zubereitung", „Bearbeitung"
wird es angewendet auf die Fähigkeit des Geistes, gute und
schlechte Taten zu bewirken, seine Empfänglichkeit, Anlage, Prädisposition
für solche Taten. Und diesen Sinn hat das Wort in
unserer Formel. Nach der Lehre des 8aiuküya besitzt jedes Wesen
außer dem grob-materiellen, sichtbaren Körper (8tbü1aäarira),
der vergänglich ist, noch einen feinen, inneren Körper (Lingaäarira),
der zusammen mit der Seele aus einem groben Körper
in den andern zieht. Dieser innere Körper ist der Sitz aller psychischen
Vorgänge, und er wird nach dem 8amkllya durch eine
Reihe von Elementen gebildet, an deren Spitze das Denkorgan
oder die Denksubstanz Uuääbi, wörtlich „Verstand", steht. Diese
Denksubstanz wird inimer wieder in Bewegung gesetzt durch die
8am8karas oder Väsanäs, d. h. die im Verstände ruhenden Eindrücke,
die von früheren Taten (Karman) im Verstände zurückgeblieben
sind und sich von Geburt zu Geburt vererben. Die
8aip8Üära8 sind also das, was von früheren Geburten im Geiste
latent zurückgeblieben ist und sich bei gegebener Veranlassung im
Geiste entwickelt und zu neuen Taten führt. Diese 8aip8üara8
ANuG 109: Pischel, Leben und Lehre des Buddha. 2. Aufl. 5