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VI. Die Lehre des Buddha.
bis er ihn gefunden hatte. Er wurde dann bekehrt. Auch wilde
Tiere bändigt die Macht der Liebe. Als Devadatta die Wächter
des bösartigen Elefanten Nälägiri bestochen hatte, den Elefanten
gegen Buddha loszulassen, da „durchdrang Buddha den Elefanten
mit dem Geiste der Liebe", und „durchdrungen mit dem Geiste der
Liebe" blieb der Elefant mit erhobenem Rüssel vor Buddha stehen,
der ihn mit der Hand streichelte. Von dieser Zeit an war Nälä-
giri zahm, und die Leute sangen damals den Vers: „Manche bän
digen mit Stock, Haken und Peitsche; ohne Stock und Waffe wurde
der Elefant von dem großen Heiligen gebändigt." Als einst ein
Mönch durch den Biß einer Schlange gestorben war, schob Buddha
die Schuld darauf, daß derMönch die vier Geschlechter der Schlangen
könige nicht „mit dem Geiste der Liebe durchdrungen habe". Er
lehrte seine Jünger einen Spruch, der das älteste Beispiel aus der
buddhistischen Literatur für die später so beliebten Beschwörungs
formeln ist. Der Sprechende versichert, daß er alle Wesen liebe,
die fußloßen, die zweifüßigen, die vierfüßigen, die vielfüßigen.
Buddha schärfte den Seinigen immer von neuem ein, den Geist
der Liebe zu pstegen. Im Utzttasntta des Lnttanixäta heißt es:
„Wie eine Mutter ihr Kind, ihr einziges Kind, mit ihrem Leben
schützt, so soll man gegen alle Wesen unermeßliche Liebe erzeugen.
Gegen alle Welt soll man unermeßliche Liebe erzeugen, nach oben,
nach unten, nach der Seite, uneingeschränkt, ohne Feindschaft und
Gegnerschaft. Stehend, gehend, sitzend, liegend, solange man wach
ist, soll man diese Gesinnung ausüben Das nennt man ein Leben
in Gott." Liebe, Mitleid, freundschaftliche Teilnahme und Gleich
mut machen ein Leben in Gott aus; sie sind die „Vier Unermeß
lichen" oder, wie sie der nördliche Buddhismus nennt, die „Vier
Leben in Gott". Die Quelle der drei letzten aber ist die Liebe
(Nsttä), die stets an der Spitze steht. Sie wird, lote wir sahen,
hoch über alle Werkheiligkeit gestellt. Alle Opfer, die fromme Könige
darbringen, sind nicht ein Sechzehntel eines Herzens wert, das
die Liebe erzeugt. Die Mönche sind auch, mit wenigen Ausnahmen,
Buddhas Ermahnung gefolgt. Es ist rührend zu lesen, mit welcher
Liebe sie Buddha begegneten, und wie sie auch untereinander in
Liebe und Treue zusammenhielten. „Einst, so wird erzählt, be
gab sich der Erhabene nach Uräeioavamsadäva („dem östlichen Bam
buswald"). Damals lebten dort der ehrwürdige Anuruddha und
der ehrwürdige Nandika und der ehrwürdige Kimbila. Der Wald
wärter sah den Erhabenen von ferne herankommen, und als er den