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selbst als an die Direktoren der Union Pacific verkauften,
war die Kansas Pacific. Diese ungefähr 394. Meilen lange
Linie gehörte auch zu den vielen Eisenbahnen, deren Ge-
schichte voll von ununterbrochener Bestechung ist. Ihre
Aktiva bestanden hauptsächlich aus einer Ausgabe von Staats-
obligationen und einer Landbewilligung von 3 Millionen
Morgen in Kansas und Colorado.
Kaum war die Bahnkonzession gegeben, so wurde mit
der Bestechung so lebhaft vorgegangen, daß nur der ganz
Dumme sie übersehen konnte. Aber was kam es auf die
angewandten Mittel an? Je größer die Bestechung, um so
größer war die Sicherheit, daß auch die daraus hervor-
gehenden Privilegien, Machtbefugnisse und Vorteile um
so reicher sein würden. Und je lockender die Aussichten,
um so eifriger in ihrer Habgier waren die Leuchten der
Finanzwelt, sich in die Sachen einzumischen. Hervor-
tragende Bankiers traten in einen scharfen Wettbewerb mit-
einander, um an der Finanzierung des Projektes beteiligt
zu sein; schließlich wurden zwei Bankfirmen beauftragt,
die Kansas-Pacific-Anleihe auf den Markt zu bringen. Eine
von diesen Firmen war Dabney, Morgan & Co., deren einer
Teilhaber J. Pierpont Morgan war, die andere war das Haus
Morris K. Jesup & Co., dessen Chef es später fertig brachte,
in die glänzende Schar der verherrlichten Philanthropen
aufgenommen zu werden?). In ihren Ankündigungen
vom Jahre 1869 ergingen sich diese Bankiers in glühenden
Schilderungen der glänzenden staatlichen Landbewilligung
der Kansas Pacific — einer Landbewilligung, die, wie sie
allen, die ihr Geld dabei anlegen wollten, versicherten, eine
mehr als genügende Sicherheit für Anleihen gewähre.
Erpressung und Raub
Aber die übliche Krisis kam. Das Kansas- und Pacific-
Projekt bildete keine Ausnahme in der sich immer gleich-
bleibenden Frfahrung mit Eisenbahnangelegenheiten. Die
1) Sein Besitztum wurde nach seinem Tode am 22. Januar 1908 auf 12 814 894
Dollar netto in persönlichem und Grundbesitz geschätzt. Ein großer Teil des Be-
itzes waren Eisenbahnobligationen.