Die Bodenreform im Lichte des Freihandels.
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Versandes von Getreide, Malz und Mühlenfabrikaten aus den
östlichen und den westlichen Provinzen auf den Staatseisen
bahnen einen Ausnahmetarif einzuführen, welcher für diese
Verkehrsrichtung die bestehenden Frachtsätze auf weitere
Entfernungen in fallender Skala erheblich herabmindert.
Hierzu lag ein Antrag der Abgeordneten Bork und Genossen
vor: „Die Staatsregierung zu ersuchen, zur Erleichterung des
Versandes von Getreide, Malz, Mühlenfabrikaten und Vieh
auf den Staatseisenbahnen einen Tarif einzuführen, welcher
die bestehenden Frachtsätze auf weitere Entfernungen in
fallender Skala erheblich herabmindert.“
Da infolge der Latifundien- und Verschuldungszunahme
die Auswanderung aus den östlichen Provinzen, nicht allein
vom platten Lande, sondern auch aus den kleinen und
mittleren Städten eine immer größere wird, so fehlt den
Produzenten der Absatz. Früher war derselbe leicht und
billig nach England zu bewerkstelligen. Nach Aufhebung
der englischen Schutzzölle in Mitte der fünfziger Jahre
war der deutsche Getreideexport über die See ein be
deutender. Das ist anders geworden, seit die transatlan
tischen Länder ihre billigen Waren nach Europa werfen.
Die hohen Grundpreise haben eine entsprechende hypo
thekarische Verschuldung im Gefolge gehabt, die eine billige
Produktion unmöglich macht, so daß von Export keine
Rede mehr ist. Daran wird auch die Errichtung von Silos
an den Hafenplätzen wenig ändern. Den Grundbesitzern
geht es offenbar recht übel, und in ihrer Verzweiflung
greifen sie nach jedem Strohhalme, wie nach einer Tarif
ermäßigung. Auf Kosten der Staatsbürger wollen sie Aus
nahmetarife haben, um ihr Getreide nach dem Westen zu
bringen, obwohl der Westen unter denselben Nöten leidet.
Jede Herabsetzung muß aber gemäß Vertrag auch dem
russischen Getreide auf deutschen Bahnen gewährt werden,
so daß der Westen in üble Bedrängnis geriete, zumal ihn
der transatlantische Import drückt. Es ist somit natürlich,
daß die Herren aus dem Westen sich gegen den Antrag
sträubten und ihm in höflicher Weise ein Begräbnis durch