Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

86  Die  Bodenreform  im  Lichte  des  Freihandels.
den  Gegenantrag  Zedlitz  und  Genossen  zu  Teil  werden
ließen.  Zu  dem  Antrag  Bork  beantragte  der  Abgeordnete
von  Zedlitz,  unterstützt  von  14  freikonservativen  Genossen  :
„Die  Staatsregierung  zu  ersuchen,  eine  Untersuchung  über
die  wirtschaftlichen  und  finanziellen  Folgen  der  etwaigen  Einführung ­
  eines  Tarifs  zu  veranstalten,  durch  welchen  die  bestehenden ­
  Frachtsätze  von  Getreide  ,  Malz  ,  Mühlenfabrikaten
und  Vieh  auf  weitere  Entfernungen  in  fallender  Skala  erheblich ­
  herabgemindert  werden,  und  die  Ergebnisse  derselben  in
der  nächsten  Session  zur  Kenntnis  des  Abgeordnetenhauses
zu  bringen.“  —
Hier  hilft  aber  nur  eines:  die  Besiedelung  des  Ostens
durch  eine  Parzellierung  der  großen  Güter,  welche  bei  Ermäßigung ­
  der  Getreidezölle  zur  Versteigerung  kommen  werden.
Sehr  zweckmäßig  erscheint  uns  Bodenreformen!  das  Rentengut, ­
  zumal  der  Bauer  dasselbe  zu  Eigentum  erwerben  kann.
Kommt  dazu  die  vorsichtige  Verstaatlichung  des  Grundkredites ­
  ,  für  geeignete  Fälle  auch  das  Vorkaufsrecht  des
Staates  bei  übermäßiger  Verschuldung,  so  ist  keine  Frage,
daß  jene  weiten  Strecken,  die  jetzt  beinahe  entvölkert  sind,
bald  von  einer  emsigen  Bevölkerung  besiedelt  sein  werden.
Wie  jetzt  der  Zuzug  in  die  Großstädte  wird  dann  ein  Abzug
auf  das  platte  Land  stattfinden,  zumal  wenn  die  industrielle
Krisis  mit  ihrem  Elend  in  die  Erscheinung  treten  und  lange
andauern  wird.  Neue  Dörfer  und  neue  Städte  werden
entstehen,  und  der  Absatz  wird  für  die  Bodenprodukte
genügend  sein.
Wie  schwach  der  Osten  bevölkert  ist,  zeigt  eine  Tabelle
aus  dem  Anfang  der  siebziger  Jahre,  wobei  bemerkt  wird,
daß  seitdem  die  Entvölkerung  zugenommen.  Kamen  im  gesamten ­
  deutschen  Reiche  auf  die  geographische  Quadratmeile
4184  Menschen,  auf  die  Rheinprovinz  7307,  so  fiel  die  Ziffer
in  der  Provinz  Preußen  auf  2766,  in  Pommern  auf  2616.  Die
Niederlande  hatten  auf  die  Quadratmeile  6155,  Belgien  9511
Personen.  Da  aber  kaum  mit  einem  Male  eine  Industrie  nach
dort  verpflanzt  werden  kann,  weil  die  natürlichen  Hilfs ­
            
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