258
Es mochte unterdessen zehn Uhr geworden sein, und
ich begab mich nun ins Viktoria-Hotel, wo ich schon am
Morgen ein Zimmer bestellt hatte, um bei Lassalle sein
zu können. Ich teilte ihm das Vorgefallene mit, und er
nötigte mich dann, einen Brief an Dr. Arndt zu schreiben,
in welchem ich diesem sagen mußte, daß möglicherweise
für den 28. keine glatten Pistolen zu haben wären; für
den Fall nehme er gezogene an, und da General Bethlen
solche absolutverwerse, würde er dann an dessen StattHerrn
von Hofstetten zum Sekundanten wählen. Diesen Brief
besorgte Herr von Hofstetten selbst noch uni elf Uhr nachts.
Ich unterhielt mich noch bis um Mitternacht mit
Lassalle und machte ihn namentlich darauf aufmerksam, daß
wir die Stellung beim Duell beliebig ausgemacht hätten,
damit er sich nach seiner Bequemlichkeit postieren könne,
und daß er doch nicht, wie es seine fehlerhafte Gewohnheit
war, zu lange zielen möchte, da er nicht allein schieße usw.
Um Mitternacht ging ich zu Bette. Schon um drei
Uhr des anderen Morgens stand ich auf und eilte, nachdem
ich mich angekleidet, in meine Wohnung, wo ich mehrere
Kleinigkeiten zu holen hatte. Von da ging ich zum
Büchsenschnried, fand ihn — um vier Uhr — an der Arbeit,
nahm gleich die eine Pistole mit und kehrte ins Viktoria-
Hotel zurück. Unr fünf Uhr weckte ich Lassalle, der sanft
schlief. Zufällig sah er gleich die Pistole. Er ergriff sie,
fiel mir uin den Hals und sagte: „Da habe ich ja gerade,
was für mich paßt!"
Um fünfeinhalb Uhr war ich wieder beim Büchsen
schmied und erhielt nun auch die andere Pistole, die ich
ins Hotel brachte.
Dann holte ich Bethlen ab.