Full text: Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Zur Erinnerung an Heinrich Wehberg. 
XI 
um Rat wandte, wie trotz der schlechten Kassenverhältnisse 
die Weiterführung von „Frei Land“ zu ermöglichen sei, da 
sandte Wehberg sogleich mehr als den dritten Teil der 
zur Fortsetzung der Bundeszeitschrift nötigen Summe ein. 
Erst in späteren Jahren, als der Bund beharrlich das ab 
lehnte, was er für richtig hielt, zog er sich mehr und mehr 
von ihm zurück. Auch mit der vom Bunde befürworteten 
Reichswertzuwachssteuer konnte er sich nicht befreunden. 
(Den Anteil, den Wehberg an der Bodenreformbewegung 
genommen hat, ersieht man aus der Schrift von Hans 
Wehberg: „A. Theodor Stamm und die Anfänge der 
deutschen Bodenreformbewegung“ 1911, Bonn, Carl Georgi). 
1891 bzw. 1895 erschienen zwei Schriften über „Die Ver 
staatlichung der Bergwerke“, und über „Die Wohnungs 
frage im Lichte des humanistischen Sozialismus“, die eben 
falls in diesem Buche enthalten sind. 
Am 16. Dezember 1912 ist Dr. Wehberg im Alter von 
57 Jahren am Herzschlage verstorben. Niemand hat wohl 
ein treffenderes Bild seines Charakters entworfen als sein 
Jugendfreund Professor Dr. Busch, der am Grabe unter 
anderen folgende Worte sprach: 
„Er war ein Mann! Nehmt alles nur in allem ; wir werden 
selten seines gleichen sehn.“ — Das soll keine hohle Lob 
preisung sein; die würde wahrlich schlecht passen zu der 
einfachen, offen ehrlichen, jede Phrase hassenden Art des 
teuren Toten, vielmehr meine ich, daß das Dichterwort sich 
auf wenige Menschen besser anwenden läßt als auf Heinrich 
W e h b e r g. 
Fern vom Getriebe der großen Welt, niemals strebend 
nach äußerer Ehre, nach öffentlicher Anerkennung, stets sich 
selbst treu, in allem Tun und Lassen nur der eigenen, 
innersten Überzeugung folgend, einzig seinen Ideen und 
seiner Wissenschaft lebend, der Heilkunst, die er in der 
idealsten Weise auffaßte, so hat er 33 Jahre lang seinen 
schweren Beruf ausgeübt bis fast zum letzten Atemzuge. - 
Ein Held der Arbeit, ein unermüdlicher Vorkämpfer für 
seiner Mitmenschen Wohlfahrt, ein freigiebiger Freund der 
Armen, ein stets zuverlässiger Helfer der Kranken, ist er 
in den Sielen gestorben, obgleich das schwere Leiden, das
	        
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